Dunkelblum

Etwas mehr als eine Woche nach der Veröffentlichung der Longlist für den Deutschen Buchpreis wurden heute auch die für den Österreichischen Buchpreis 2021 Nominierten genannt, und während Monika Helfers Vati und Ferdinand Schmalz‘ Mein Lieblingstier heißt Winter auf beiden Listen zu finden sind, fehlt Eva Menasses soeben erschienener Roman Dunkelblum ganz. Schade!

August 1989. Nach dem unerwarteten Tod seiner Mutter kommt der Mittdreißiger Lowetz zurück nach Dunkelblum, einem Ort nahe der Grenze, und findet dort eine Welt vor, die er fast vergessen hatte, die aber immer noch beinahe so funktioniert wie in seiner Kindheit, in wesentlichen Zügen sogar noch immer so wie in der Jugend seines schon lange verstorbenen Vaters. Immer noch dieselben Nachbarn, immer noch derselbe Gemeindearzt, immer noch derselbe Greißler, immer noch dieselben Winzerfamilien, immer noch der Stammtisch in der Gaststube des Hotel Tüffer, und immer noch tut „eine Gruppe von ehemaligen Halbstarken“ ihr Möglichstes, damit keiner aus der Reihe tanzt.

Weiterlesen »

Identitti

Heute beginnt der Bücherherbst: Die Veröffentlichung der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2021 ist für mich wie jedes Jahr mit der Frage verbunden: Welche Titel aus meiner Sommerleseliste sind nominiert? Und überrascht mich das? Die Antwort auf die erste Frage lautet: Nur einer – ich hätte mehr lesen sollen (oder vielleicht auch nur andere Titel). Und die Antwort auf die zweite Frage ist: Ganz sicher nicht! In Identitti beschreibt Mithu Sanyal einen Skandal an einer deutschen Universität: Prof. Dr. Saraswati, die in Düsseldorf Intercultural Studies und Postkoloniale Theorie lehrt, ist nicht, wie sie alle glauben ließ, eine Person of Colour, sondern eine in Deutschland geborene Tochter in Deutschland lebender Deutscher. Deutscher geht’s nicht mehr, und damit steht nicht nur ihre eigene Karriere und ihr Ruf als Wissenschaftlerin auf dem Spiel, das unfreiwillige Outing stellt auch alles in Frage, was ihre Vorzeigestudentin Nivedita Anand in den vorangegangenen Semestern bei der von ihr Bewunderten gelernt und als Social Media Star auch gleich wieder in die Welt hinausgerufen hat. Nivedita tut, was jede selbstbewusste Vertreterin ihrer Generation tun würde: inmitten des sofort losbrechenden Sturms verlangt sie von ihrer Professorin Erklärungen. Diese Erklärungen bekommt sie auch, und sie bringen ihr Weltbild nicht wieder in Ordnung, sondern stellen es erst recht auf den Kopf.

Weiterlesen »

Kristin Lavranstochter – Der Kranz

Norwegen zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Kristin, die Tochter von Lavrans Bjørgulfssohn und seiner Frau Ragnfrid, lebt mit ihren Eltern auf dem Jjørundhof in der Nähe des heutigen Lillehammer. Ihr Vater ist ein wohlhabender, tüchtiger und von vielen bewunderter Adeliger, ihre Mutter eine sehr schwermütige Frau, was alle auf den Verlust ihrer drei kleinen Söhne zurückführen. Für die sehr hübsche und eher stille Kristin ist es selbstverständlich, die strengen religiösen Gesetze und sozialen Spielregeln einzuhalten, die das Leben aller bestimmen und die ihre Eltern noch strenger auslegen, sie bewahrt sich dabei aber ihre Individualität und ihren Freiheitssinn. Sie erlebt eine idyllische Kindheit, wenn auch nicht ganz frei von traumatischen Erfahrungen, freundet sich, als sie ihren Vater auf eine Reise in die Stadt begleiten darf, mit Bruder Edwin an, einem Wandermönch, der ihr zusätzlich spirituelle Führung gibt, und akzeptiert die Verlobung mit Simon Darre, dem Sohn eines benachbarten Gutsbesitzers.

Weiterlesen »

Das schwarze Band

Wien im Juli 1921. In der Stadt ist es genauso heiß wie fast 100 Jahre später während ich diese Besprechung schreibe, im Parlament an der Ringstraße sitzen neben den alteingesessenen Privilegierten neureiche Emporkömmlinge, die Regierung steht dem Elend in der Bevölkerung, der beginnenden Hyperinflation und dem Widerstand gegen die Eingliederung Westungarns in die Republik hilflos gegenüber, und Kriminalinspektor August Emmerich wird kaserniert. Nachdem er den neu angelobten Bundeskanzlei Schober beleidigt hatte, ist er zu einem Disziplinierungslehrgang in der Schwarzenbergkaserne verdonnert worden und darf die Polizeidirektion vorläufig nicht betreten. Aus diesem Grund muss sein Assistent Ferdinand Winter, der das „von“ in seinem Namen seit drei Jahren nicht mehr führen darf, seine vornehmen Manieren aber nur zögerlich gegen Emmerichs ungehobelte Durchschlagskraft auszutauschen bereit ist, alleine im Mord an zwei jungen Tänzerinnen ermitteln. Dazu muss er zunächst deren untergetauchte Mitbewohnerin ausfindig machen, und dabei ist seine Unbedarftheit nicht nur hinderlich, sondern lebensgefährlich.

Weiterlesen »

Glaub nicht alles, was du denkst

Alexandra Reinwarth ist die erfolgreichste Sachbuchautorin im deutschen Sprachraum. Das erzählt sie in der von ihr selbst gelesenen Hörbuchversion von Glaub nicht alles, was du denkst: Wie du deine Denkfehler entlarvst und endlich die richtigen Entscheidungen triffst. Ihr innerer Clown würde das nicht so formulieren. Der ist für Aussagen wie „Na ja, ich schreibe, aber nur Sachbücher, keine Romane“ zuständig. Die Wortmeldungen und Einflüsterungen dieses inneren Clowns verhindern, dass wir die beste Version von uns selbst sind, er achtet darauf, dass wir nicht genug Selbstvertrauen entwickeln, uns nicht für begabt genug, hübsch genug und liebenswert genug halten. Dafür bestärkt er uns darin, alte Muster beizubehalten, auch wenn diese sich nicht als hilfreich erwiesen haben, für Dinge vor Scham in den Boden versinken zu wollen, die anderen gar nicht aufgefallen sind, mit einer gesünderen Lebensweise doch erst nächsten Montag zu beginnen oder auch mal unsere Vorurteile zu pflegen, uns als einzige gegen Werbestrategien immun zu fühlen und gute Gründe dafür zu finden, dass an Horoskopen und Mondkalendern doch etwas dran ist. Anders formuliert: Der innere Clown, das sind die psychologischen Mechanismen und Fallen, die verhindern, dass wir ein zufriedenes, selbstbestimmtes Leben führen, uns weiterentwickeln, Manipulationen etwas entgegenzusetzen haben, unsere Ziele verfolgen und im Idealfall auch erreichen.

Weiterlesen »

Alexandra Reinwarth ist die erfolgreichste Sachbuchautorin im deutschen Sprachraum. Das erzählt sie in der von ihr selbst gelesenen Hörbuchversion von Glaub nicht alles, was du denkst: Wie du deine Denkfehler entlarvst und endlich die richtigen Entscheidungen triffst. Ihr innerer Clown würde das nicht so formulieren. Der ist für Aussagen wie „Na ja, ich schreibe, aber nur Sachbücher, keine Romane“ zuständig. Die Wortmeldungen und Einflüsterungen dieses inneren Clowns verhindern, dass wir die beste Version von uns selbst sind, er achtet darauf, dass wir nicht genug Selbstvertrauen entwickeln, uns nicht für begabt genug, hübsch genug und liebenswert genug halten. Dafür bestärkt er uns darin, alte Muster beizubehalten, auch wenn diese sich nicht als hilfreich erwiesen haben, für Dinge vor Scham in den Boden versinken zu wollen, die anderen gar nicht aufgefallen sind, mit einer gesünderen Lebensweise doch erst nächsten Montag zu beginnen oder auch mal unsere Vorurteile zu pflegen, uns als einzige gegen Werbestrategien immun zu fühlen und gute Gründe dafür zu finden, dass an Horoskopen und Mondkalendern doch etwas dran ist. Anders formuliert: Der innere Clown, das sind die psychologischen Mechanismen und Fallen, die verhindern, dass wir ein zufriedenes, selbstbestimmtes Leben führen, uns weiterentwickeln, Manipulationen etwas entgegenzusetzen haben, unsere Ziele verfolgen und im Idealfall auch erreichen.

Weiterlesen »

Alexandra Reinwarth ist die erfolgreichste Sachbuchautorin im deutschen Sprachraum. Das erzählt sie in der von ihr selbst gelesenen Hörbuchversion von Glaub nicht alles, was du denkst: Wie du deine Denkfehler entlarvst und endlich die richtigen Entscheidungen triffst. Ihr innerer Clown würde das nicht so formulieren. Der ist für Aussagen wie „Na ja, ich schreibe, aber nur Sachbücher, keine Romane“ zuständig. Die Wortmeldungen und Einflüsterungen dieses inneren Clowns verhindern, dass wir die beste Version von uns selbst sind, er achtet darauf, dass wir nicht genug Selbstvertrauen entwickeln, uns nicht für begabt genug, hübsch genug und liebenswert genug halten. Dafür bestärkt er uns darin, alte Muster beizubehalten, auch wenn diese sich nicht als hilfreich erwiesen haben, für Dinge vor Scham in den Boden versinken zu wollen, die anderen gar nicht aufgefallen sind, mit einer gesünderen Lebensweise doch erst nächsten Montag zu beginnen oder auch mal unsere Vorurteile zu pflegen, uns als einzige gegen Werbestrategien immun zu fühlen und gute Gründe dafür zu finden, dass an Horoskopen und Mondkalendern doch etwas dran ist. Anders formuliert: Der innere Clown, das sind die psychologischen Mechanismen und Fallen, die verhindern, dass wir ein zufriedenes, selbstbestimmtes Leben führen, uns weiterentwickeln, Manipulationen etwas entgegenzusetzen haben, unsere Ziele verfolgen und im Idealfall auch erreichen.

Weiterlesen »