Besser

Da ich die internationalen Bestsellerlisten viel besser kenne als die deutschsprachigen, habe ich die Autorin Doris Knecht erst kennengelernt, als mir eine Freundin eines ihrer Bücher zum Geburtstag schenkte. Damals habe ich den Roman innerhalb von zwei Tagen fertiggelesen, diesmal war’s genauso. In Besser führen Antonia Pollak und ihr Mann Adam ein Leben ‚wie aus dem Bobo-Handbuch‘, wie sie selbst das ausdrückt: eine schicke Wohnung in einem hippen Vorstadtviertel, ein lichtdurchflutetes Atelier, wo sie ungestört an ihren Skulpturen arbeiten kann während die beiden Kinder im Kindergarten sind, eine Kreditkarte ohne Limit. Aber sie sieht sich nicht als Teil dieser privilegierten Welt, sondern als jemand, der sich da nur hineingeschummelt hat.

Glückliche Menschen ohne Geheimnisse schlafen besser. Glückliche Menschen ohne Geheimnisse sind am Morgen ausgeschlafen. Glückliche Menschen tun sich deshalb leicht beim Aufstehen.‚ Als Toni diese Erkenntnis mit uns teilt, wissen wir bereits, dass sie zu den Menschen mit Geheimnissen gehört und deshalb zu denen, die nicht gut schlafen.Weiterlesen »

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Scarlett & Rhett

Vom Winde verweht stand bis vor kurzem ganz weit unten auf meiner Leseliste. Ein 1000-Seiten-Schinken mit einer durch die Verfilmung hinreichend bekannten Lovestory in einer durch Rassismus und lächerliche Moralvorstellungen geprägten High Society? – Nein danke! Dass der Roman 1937 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde und ich ihn auf Platz 21 der 100-Bücher-die-man-unbedingt-lesen-muss-Liste der BBC  entdeckte, von denen viele ganz bestimmt noch in diesem Blog behandelt werden, hat mich dann doch neugierig gemacht, also besorgte ich mir das englische Original.

Die erste positive Überraschung war das Vorwort von Pat Conroy, dem Autor von Herr der Gezeiten, einem meiner Lieblingsbücher. Nicht ohne Ironie nennt Conroy Margaret Mitchells Roman die „Illias“ der Amerikanischen Südstaaten, einen Gesang auf eine untergegangene Welt, und den letzten posthumen Sieg der Konföderierten.Weiterlesen »

Dublin Girl

far from over

Der Singer-Songwriter Ed Sheeran besingt ein Galway Girl, also ein Mädchen aus dem pittoresken Hafenstädtchen an Irlands Westküste, dem er, wie er uns im Text seines Liedes wissen lässt, in Dublins schicker Grafton Street begegnet ist. In eben dieser Grafton Street endet die etwas zu ausgiebige Shoppingtour, mit der sich Gemma, eine 35-jährige geschiedene Alleinerzieherin, über die neuerliche Hochzeit ihres Exmannes hinwegtröstet. Wieso dieser Trost notwendig ist versteht sie selbst nicht ganz, hatte sie doch die Scheidung vor einigen Jahren selbst in die Wege geleitet und nie bereut. Aber Orla, Davids neue Frau, ist 11 Jahre jünger als sie, beruflich höchst erfolgreich und mit endlos langen Beinen ausgestattet, das schmerzt doch.Weiterlesen »

Die Penelopiade

IMG_1017Die Geschichte des Trojanischen Krieges, seine Ursachen und seine Folgen kann man auf verschiedene Art erfahren: bei Homer in der Ilias und der Odyssee (zweimal 24 Gesänge, insgesamt etwa 900 Seiten), in einer der zahlreichen Jugendausgaben von Homers Epen, beispielsweise in Gustav Schwabs Sagen des klassischen Altertums (viele kurze Kapitel, ca. 400 Seiten über Ilias und die Odyssee) oder mündlich nacherzählt vom Vorarlberger Schriftsteller Michael Köhlmeier (eine CD einer mehrteiligen Hörbuchsammlung der Sagen des Klassischen Altertums).

Man kann sich die Geschichte aber auch von Penelope, der Frau des Odysseus, erzählen lassen. Weiterlesen »

Vinegar Girl

Vinegar Girl, also Essigmädchen, ist der Originaltitel eines Romans, in dem die amerikanische Schriftstellerin Anne Tyler die Geschichte von Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung nacherzählt. Auf Deutsch ist die Geschichte unter dem nicht ganz so einfallsreichen Titel Die störrische Braut erschienen, dem Unterhaltungswert tut das aber keinen Abbruch.

Mit Zucker fängt man mehr Fliegen als mit Essig, sagt ein Sprichwort. „Aber warum sollte man Fliegen fangen wollen?“, fragt sich Pjotr, der weißrussische Assistent von Dr. Battista, und hat daher keine Einwände, als sein Chef ihn mit seiner gar nicht süßen Tochter Kate verheiraten will, damit er der drohenden Ausweisung aus den USA entgeht und weiter an einem Forschungsprojekt mitarbeiten kann, dem Dr. Battista viel mehr Aufmerksamkeit widmet als seinen beiden Töchtern. Weiterlesen »