BuchWien von und für Frauen

20171109_150357Die zur Zeit stattfindende BuchWien präsentiert zahlreiche Autorinnen, die sich auf unterschiedlichste Weise mit der Lebenswelt von Frauen beschäftigen. Neben den bekannten Namen finden sich auch solche, von denen man noch nicht ganz so viel gehört hat.

So beschreibt Laura Freudenthaler in ihrem Roman Die Königin schweigt die Lebensgeschichte der über 80-jährigen Fanny, die zwar das Notizbuch, dass ihr ihre Enkelin geschenkt hat, damit sie darin ihre Erinnerungen festhält, mit leeren Seiten auf dem Nachttisch liegen lässt, von einzelnen Fragmenten diesen Erinnerungen aber nicht losgelassen wird, während sie vereinsamt auf den Besuch ihrer Tochter wartet. Im Gespräch im Literaturcafé der Messehalle sagt die Autorin, ihre Erzählung sei der Versuch, gegen das Schweigen und die Sprachlosigkeit anzukämpfen, die sie auch in ihrer Umgebung kennengelernt habe. Die Sprache, die sie dafür verwendet, klingt so rau wie die Umstände, unter denen Fanny groß geworden ist, und gefragt, ob sie ihren Schreibstil an die jeweils beschriebene Geschichte anpasse, gibt Freudenthaler zwei Antworten: anders sei das Schreiben für sie gar nicht vorstellbar, sagt sie, andererseits könne sie nicht wirklich sagen, wie das vor sich gehe, es passiere eher automatisch.

Theodora Bauer erzählt in Chikago vom Schicksal der jungen Katica, die in den 20er-Jahren gemeinsam mit ihrem Freund Feri nach Amerika auswandert, um der Armut in der Heimat zu entgehen. Anregungen für ihren Roman fand Theodora Bauer in den Lebens- und Familiengeschichten der Bewohner des Ortes Kittsee nahe dem Dreiländereck Österreich–Ungarn–Slowakei. Sie stellt ihr Buch gemeinsam mit der Autorin und Kolumnistin Saskia Jungnikl vor. Deren jüngste Veröffentlichung Eine Reise ins Leben oder wie ich lernte, die Angst vor dem Tod zu überwinden liefert mit dem Titel gleich die Inhaltsangabe.

Präsentiert werden (wie auf dem Bild zu sehen) auch die Gewinnerinnen des heuer zum zweiten Mal vergebenen Österreichischen Buchpreises und des Debütpreises: Eva Menasse, die schon zu den großen Namen auf der Messe gehört, hat den Hauptpreis für den Erzählungsband Tiere für Fortgeschrittene verliehen bekommen. Jeder ihrer Geschichten über Menschen ist eine Erkenntnis über das Verhalten einer Spezies aus dem Tierreich vorangestellt, und im Podiumsgespräch erklärt die Autorin – übrigens eines der freundlichsten Gesichter in der Messehalle – wie hilfreich Analogien aus den Naturwissenschaft beim Ordnen der Gedanken seien. Diesen Ansatz hat sie auch in ihrem 2013 erschienen Roman Quasikristalleverwendet, in dessen 13 Kapiteln eine Person, Xane Molin, immer wieder in unterschiedlichen Rollen und aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen auftaucht.

Der Debütpreis ging an die in Teheran geborene und in Deutschland aufgewachsene Schriftstellerin Nava Ebrahimi. Ihre Zweisprachigkeit habe sich, wie sie berichtet, beim Schreiben als sehr hilfreich erwiesen: Ihre eigene „deutsche“ Humorlosigkeit könne sie kompensieren, indem sie auf den persischen Humor zurückgreife, und auch die bildreiche Sprache des Persischen erweitere das Repertoire für ihre literarische Arbeit. Auch bei den Sechzehn Wörtern, die ihrem Debütroman den Titel geben, handelt es sich  um persische Begriffe, und und Ebrahimi sagt, diese hätten ihr sehr dabei geholfen, ihre Gedanken zu ordnen, nachdem sie die Idee für den Roman schon lange Zeit mit sich herumgetragen habe.

Vier der genannten Bücher warten seit gestern auf meinem SUB, eines werde ich mir morgen noch besorgen, für die Beiträge der nächsten Wochen ist also gesorgt.

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