Perfect Roman Holiday

20171127_123920Roman Holiday ist der englische Titel des Films Ein Herz und eine Krone, in dem eine junge Prinzessin an der Seite eines charmanten Journalisten Rom entdeckt.  Die Bilder von Audrey Hepburn und Gregory Peck, wie sie auf einer Vespa durch enge Gassen und am Kolosseum vorbei flitzen, und jene aus Federico Fellinis La Dolce Vita, wo Anita Eckberg in der Fontana die Trevi ein Bad nimmt, haben bis vor einer Woche meine Vorstellung von der Ewigen Stadt dominiert. Natürlich kenne ich die historischen Eckdaten (7-5-3 – Rom schlüpft aus dem Ei), aber viel mehr wusste ich über mein Reiseziel nicht, als ich zwei Tage vor Abflug in meine Buchhandlung ging, um zumindest einen Reiseführer in der Tasche zu haben. Mein Buchhändler empfahl mir Ein perfektes Wochenende in … Rom (herausgegeben vom Online-Cityguide www.smart-travelling.net), und dieses kleine Büchlein erwies sich als Glücksgriff. Anstelle langer Listen von Sehenswürdigkeiten und detaillierter kunsthistorischer Beschreibungen gibt es Tipps für Restaurants, Cafés und Bars, in denen man hauptsächlich Einheimische antrifft, und 10 Das-muss-man-gesehen-haben-Locations, begleitet von der Empfehlung, die Stadt einfach zu genießen.

 

 

Genau das habe ich dann auch gemacht, und der Reisetermin Ende November war dafür gut gewählt: immer noch viele, aber weniger Touristen als zu jeder anderen Zeit im Jahr, immer noch angenehme Außentemperaturen und als Bonus Black-Friday-Schnäppchenpreise in vielen Geschäften und Boutiquen.

Die große Überraschung: das Rom aus den beiden 50er-Jahre-Filmen gibt es immer noch. Man kann (und sollte) eine Vespa mieten und damit herumflitzen, und auch wenn Baden im Trevibrunnen bei 15 Grad Außentemperatur vielleicht keine so gute Idee ist, lässt sich das Dolce Vita ansonsten auch mit einem durchschnittlichen Reisebudget durchaus IMG_5v3vubgenießen. Von Fastfood- und Coffee-to-go-Ketten scheint man in Rom noch nie etwas gehört zu haben, statt dessen stillt man den kleinen Hunger mit frisch zubereiteten Tramezzini beispielsweise im kleinen Eckcafé an der Piazza Barberini, isst die köstlichste Pizza der Welt im Café Ciampini in der Piazza San Lorenzo in Lucia, gönnt sich zwischendurch mal ein Eis in einer der unzähligen Gelaterias oder trinkt einen schnellen Espresso im Caffé Sant’Eustachio an der gleichnamigen Piazza hinter dem Pantheon, wo sich seit den 50er-Jahren garantiert überhaupt nichts geändert hat.

Einen Besuch im Vatikan sollte man sich nicht entgehen lassen – und vorsichtshalber Tickets für die Vatikanischen Museen schon zuhause online buchen. Die Touristenströme bündeln sich dort so, dass der Spruch „alle Wege führen nach Rom“ eine völlig neue Bedeutung bekommt, aber was es zu sehen gibt ist zu spektakulär, um darauf zu verzichten. Der mit den Tickets gebuchte Audioguide hat mir sehr geholfen, über das eine oder andere Highlight (unbedingt: Die Sixtinische Kapelle und die Stanze di  Raffaello) mehr zu erfahren, aber die meiste Zeit über blieb er stumm. Auch wenn es übertrieben klingen mag: die Kunstwerke sind überwältigend schön, und vieles, zum Beispiel Leonardo DaVincis Pietà im Petersdom, rührt ganz ohne Erklärung direkt ans Herz. Also lies ich mich einfach staunend durch die Räume treiben und habe versucht, 20171125_141314mir die chinesischen aber auch die italienischen Reisegruppen (die Amerikaner feierten letztes Wochenende zuhause Thanksgiving) einfach wegzudenken. Deutlich einfacher ist das, wenn man die 320 Stufen bis auf die Kuppel des Petersdoms geschafft hat (nicht jeder ist fit genug für die Wendeltreppen) und auf den Petersplatz hinunterschaut. Wie durch ein Wunder gab es vor dem Aufgang keine Warteschlange, aber das war vermutlich eine seltene Ausnahme.

Auch beim Kolosseum war die Warteschlange überschaubar, was aber nichts_MG_6049 daran änderte, dass sich im Inneren viele Menschen drängten. 50.000 Personen fasste das Kolosseum ursprünglich, heute dürfen maximal 3.000 auf einmal hinein, was immer noch genug ist. Mit dem Eintrittsticket fürs Kolosseum kommt man auch ins Forum Romanum, und dort hat man zwei Möglichkeiten: bei jedem Mauerrest genau nachlesen, um welches Gebäude es sich handelt, oder die Ruinen entlang den Palatin hinauf schlendern, die  Parklandschaft mit ihren Olivenbäumen und Pinien bewundern und den Ausblick und den Sonnenuntergang genießen…

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Am schönsten ist Rom aber dort, wo man keinen Eintritt zahlt und wo trotzdem oder vielleicht gerade deshalb deutlich weniger Touristen zu finden sind: Auf der Piazza Navona mit ihren drei Brunnen, die zu jeder Tageszeit einen Besuch wert ist. Man kann sich entweder in einem der Restaurants kulinarisch verwöhnen lassen, was nicht ganz billig ist, oder sich auf eine der Steinbänke setzen und den Brunnen beim Plätschern zuschauen. Der Abschied fällt schwer, und ich kann der Freundin nur beipflichten, die zu mir gesagt hat: einmal im Monat ein Wochenende in Rom, das wär’s.

Ein perfektes Wochenende in …Rom, Süddeutsche Zeitung Edition. SmartTravelling 2013, 113 S.

 

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