Diese schrecklich schönen Jahre

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Erinnert ihr Euch an Dame Edna Megastar, die voluminöse Schreckschraube mit lila Haaren und strassbesetzter Brille, die ihre atemberaubende Karriere dem australischen Komiker Barry Humphries verdankt? Ihrem Humor entkam nichts und niemand. Ihre Show flimmerte zu einer Zeit über deutschsprachige Bildschirme, als Crossdresser noch als Transvestiten bezeichnet wurden, Frauen jenseits der 39 ihren Platz nicht vor der Kamera, sondern zuhause auf dem Sofa einzunehmen hatten und auch die Jüngeren in Fernsehkrimis ausschließlich entweder die Leiche oder die Sekretärin spielten.  Einer von Dame Ednas Sketches bestand in einem Werbespot, in dem sie das Testimonial für ein neues Parfum gab: Menopause hauchte sie in die Kamera, als würde sie für J’adore werben. Lachen über die Wechseljahre, das war damals so häufig wie eine TV-Kommissarin, und wenn die körperlichen Veränderungen einer Frau allzu sehr zu schaffen machten, holte sie sich aus Großmutters Kräutergarten oder aus der Apotheke mit möglichst wenig Aufsehen entsprechende Mittelchen. Psychische Turbulenzen gab es nicht, das war mangelnde Vernunft oder mangelnde Disziplin.

Heute ist die Welt glücklicherweise eine andere: Auf Mörderjagd begeben sich Lena Odenthal, Charlotte Lindholm, Bibi Fellner oder Angelika Schnell, jeder zweite Werbespot sorgt sich um das körperliche, psychische und sexuelle Wohlbefinden von Frauen ab 40, und einige Jahre später werden diese dann nicht als Omas, sondern als Best Ager, Golden Ager und, von ganz abgebrühten Werbefachleuten, auch schon mal als Master Consumer bezeichnet. Dazu, wie sich die Werbeindustrie plötzlich auf das Phänomen Älterwerden stürzt, kann man stehen wie man will, aber in jedem Fall ist es eine Erleichterung, über die eigenen Bedürfnisse auch dann noch laut nachdenken zu dürfen, wenn die nächste Generation schon Regierungen anführt.

Wie man Dinge, über die vor wenigen Jahren noch  verschämt geschwiegen wurde, entspannt, informativ und humorvoll anspricht, das zeigen Susanne Fröhlich und Constanze Kleis in Diese schrecklich schönen Jahre. Auf Basis ihrer eigenen Erfahrungen beschreiben die Autorinnen (Jahrgang 1962 und 1959) die Herausforderungen, die einem an der Weggabelung zwischen blutjung und steinalt manchmal begegnen, und zeigen auf, wie sich diese bewältigen lassen.

Der Klappentext beschreibt sehr treffend, was die Leserin erwartet:

Willkommen im Midlife Paradise!

Männer, Job, Familie, Gesundheit, Liebe Lust, Optik – ab Mitte vierzig beginnt sie, die Achterbahnfahrt all unserer Lebenskoordinaten.

Wenn Frauen nicht mehr wissen, ist das noch Sommer oder schon eine Hitzewallung? Wenn Vorgesetzte plötzlich halb so alt sind, Eltern doppelt so oft anrufen und Kinder gar nicht mehr. Wenn die besten Sextipps darin bestehen, sich eine Flasche Olivenöl auf den Nachttisch zu stellen (falls man überhaupt noch Sex hat) und man sich fragt, wie man einem neuen Mann den nicht mehr ganz so neuen Körper möglichst optimal präsentiert. Wir begegnen unserer Sterblichkeit, denken über Botox nach und suchen mal wieder unsere Lesebrille.

Meine Meinung: Was sich zwischen den Buchdeckeln findet ist zum Teil genauso locker und flapsig formuliert wie der Klappentext, das heißt aber nicht, dass der Inhalt nicht ernst gemeint wäre. Die Vorschläge der Autorinnen haben Hand und Fuß, ohne in dogmatische Empfehlungen zu müden. Das Zielpublikum sind Frauen mit durchschnittlicher Lebenssituation und gesichertem Einkommen, echte Problemfälle bleiben ausgespart, aber ich habe bei der Lektüre das eine oder andere für die kommenden Jahre und für Gespräche mit Freundinnen mitnehmen können und mich gleichzeitig auch sehr gut unterhalten. Damit sind wir bei meinem persönlichen Fazit nach der Lektüre: Nehmen musst du’s, also nimm’s mit Humor! 

Susanne Fröhlich und Constanze Kleis, Diese schrecklich schönen Jahre. Gräfe und Unzer 2014. 205 Seiten. 

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