Launen der Zeit

In ihrem jüngsten Roman Launen der Zeit (Clock Dance) erzählt Anne Tyler  vier Episoden aus dem Leben ihrer Hauptperson:

1967: Wenn Willa Drake nach Hause kommt, weiß sie nie, was sie erwartet. Ihre Mutter Alice ist die hübscheste, lebendigste und klügste Mutter in ihrer Schule, aber manchmal ist sie wie ausgewechselt, zornig und unbeherrscht. Ihr Vater Melvin hingegen ist die Geduld in Person und liebt seine Frau und seine Töchter vorbehaltlos.Weiterlesen »

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Bullshit Bingo – Wie das Leben so spielt

BULLSHIT BINGOMarie und Moritz sind nicht nur ein Paar, sie arbeiten auch in der selben Firma, und öde Besprechungen verkürzen sie sich mit Bullshit Bingo – „von A wie Arbeitszeiterfassungs-software bis Z wie Zielgruppen-segmentierung.“ (S.7)Doch dann findet Moritz heraus, dass Marie doch die Pille nimmt, und ihr erster Streit ist auch ihr letzter. Dass Maries beste Freundin Elisa gerade im Babyglück schwelgt, macht die Vorstellung, eine eigene Familie zu gründen, für Marie auch nicht attraktiver, vor allem, weil sie deren Ehe mit dem affigen Gynäkologen Johannes sehr skeptisch gegenüber steht.

Dann beginnt das Leben zu spielen, wie der Untertitel des Romans es ankündigt. Weiterlesen »

Der zweite Reiter

Alex Beer

Der aus dem Krieg mit einem Granatsplitter im Bein heimgekehrte Rayonsinspektor August Emmerich ist alles andere als erfreut, als ihm Ferdinand Winter, ein zartbesaiteter verarmter Adeliger, als Assistent zugeteilt wird, und er lässt den jungen Kollegen das auch spüren. Die beiden machen sich ohne großen Enthusiasmus daran, gegen einen Schwarzhändlerring zu ermitteln und entdecken dabei durch Zufall im Wienerwald die Leiche eines Kriegsheimkehrers, der davon geträumt hatte, nach Brasilien auszuwandern. Der Tote hat eine Schusswunde, die Pistole liegt daneben. Der Pathologe vermutet Selbstmord, aber Emmerich glaubt an Mord und ermittelt gegen die ausdrückliche Anordnung seines Vorgesetzten in diese Richtung weiter. Als eine zweite Leiche auftaucht und sich herausstellt, dass sich  beide  Männer kurz vor ihrem Tod getroffen hatten, sieht Emmerich den Fall als Chance, sich zu profilieren, und lässt nicht mehr locker.

‚Der Krieg hat einen langen Arm. Noch lange, nachdem er vorbei ist, holt er sich seine Opfer.‘

Dieses Zitat von Martin Kessel stellt Alex Beer dem ersten Krimi um August Emmerich voran. Weiterlesen »

Deutscher Buchpreis 2018

Buchpreis 2018 longlistSoeben hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Longlist für den Deutschen Buchpreis veröffentlicht, und einige, die als Fixstarter gehandelt worden sind, fehlen auf der Liste, beispielsweise Kristine Bilkau mit Eine Liebe, in Gedanken, die auch ich sehr gerne dabeigehabt hätte, oder Junger Mann, der für September angekündigte neue Wolf Haas. Für mich als Wolf Haas-Fan natürlich eine Enttäuschung, aber aus weiblicher Sicht kann ich mit der Longlist zufrieden sein, denn während 2017 nur sieben von  20 Nominierten  Autorinnen waren, finden sich heuer immerhin 11 SchriftstellerINNEN auf der Liste.

Hier die Longlist 2018 mit Links zu Besprechungen:Weiterlesen »

Die Frau im hellblauen Kleid

Volkstheater bühneneingang
Bühneneingang, Volkstheater, Wien

Die Frau im hellblauen Kleid ist Käthe Schlögel, Tochter eines Wiener Gemüsehändlers. Sie wohnt ganz in der Nähe des Theaters in der Josefstadt, beginnt ihre Karriere gegen den Widerstand der Eltern am Volkstheater und feiert in Prag und Berlin große Erfolge. Als Bühnen- und Filmstar begründet sie  so eine Schauspieler*innendynastie. Wenn dieser Begriff fällt, denke ich sofort an die Familie Hörbiger/Wessely und ihre Nachfahren. Aus diesem Grund habe ich beim Lesen vom ersten Kapitel an nach Parallelen Ausschau gehalten, und die gibt es durchaus: Im richtigen Leben wie im Roman beginnt der Erfolg in der Zwischenkriegszeit und setzt sich über vier Generationen bis in die Gegenwart fort. Damit ist es unvermeidlich, dass die erste Generation sich mit dem Naziregime und den Auswirkungen seiner Politik konfrontiert sieht und die nachfolgenden Generationen sich damit abmühen müssen, unangenehme Fragen zu beantworten und das aufzuarbeiten, was schiefgegangen ist. So erging es auch der Familie von Paula Wessely, deren Name im Roman auch tatsächlich erwähnt wird; aber die Art, wie das geschieht, macht deutlich, dass der Roman von Beate Maxian eben keine fiktionalisierte Familienbiographie ist, sondern seine eigene Geschichte erzählt.  Vera Altmann, als Schauspielerin weit weniger erfolgreich als ihre Mutter Marianne und ihre Großmutter Käthe, möchte eine TV-Dokumentation über ihre Familie drehen und liefert damit den Anstoß dafür, dass all das auf den Tisch kommt, worüber bisher nicht gesprochen wurde.Weiterlesen »

Zurück aus Irland

Version 2Wie im letzten Beitrag angekündigt, habe ich mich auf meiner Reise nach Irland nicht nur auf die Spuren bekannter, sondern auch auf die Suche nach „neuen“ Autorinnen gemacht. Ich bin fündig geworden, wenn auch etwas anders als erwartet. Zunächst habe ich mich in einer Filiale der Buchhandelskette Eason in Galway umgesehen. Dort stehen vor allem Taschenbücher in den Regalen, daneben gibt es auch eine gut sortierte Schreibwarenabteilung. In der ChickLit-Abteilung war ein für mich neuer Name an prominenter Stelle vertreten: Emma Hannigan. Ihr erst im Frühjahr 2018 erschienener jüngster Roman Letters to my Daughters wird leider auch ihr letzter bleiben, denn sie ist im März dieses Jahres an Krebs gestorben. Emma Hannigan war nicht nur Romanschriftstellerin, sie hat ihre Gedanken ab 2010 auch auf ihrem Blog geteilt und dabei ihren Kampf gegen die Krankheit und vor allem ihren unnachgiebigen Optimismus dokumentiert.Weiterlesen »