Bullshit Bingo – Wie das Leben so spielt

BULLSHIT BINGOMarie und Moritz sind nicht nur ein Paar, sie arbeiten auch in der selben Firma, und öde Besprechungen verkürzen sie sich mit Bullshit Bingo – „von A wie Arbeitszeiterfassungs-software bis Z wie Zielgruppen-segmentierung.“ (S.7)Doch dann findet Moritz heraus, dass Marie doch die Pille nimmt, und ihr erster Streit ist auch ihr letzter. Dass Maries beste Freundin Elisa gerade im Babyglück schwelgt, macht die Vorstellung, eine eigene Familie zu gründen, für Marie auch nicht attraktiver, vor allem, weil sie deren Ehe mit dem affigen Gynäkologen Johannes sehr skeptisch gegenüber steht.

Dann beginnt das Leben zu spielen, wie der Untertitel des Romans es ankündigt. Marie kann eine drohende Kündigung nur dadurch abwenden, dass sie ihrem Chef eine Schwangerschaft vorspielt, an ihrer Stelle wird ihr Ex-Freund Moritz gekündigt, und Elisa wirft die Nerven weg und düst ohne Mann und Kind nach Rimini ab. Zurück bleibt Marie als unfreiwillige Babysitterin für die kleine Lily.

Meine Meinung: Bullshit Bingo – Wie das Leben so spielt hat schon seit vielen Wochen auf meinem SuB gewartet. Ferienlektüre, dachte ich trotz des dunklen Covers und holte das Buch dieses Wochenende, rechtzeitig zu Beginn der zweiten Hitzewelle dieses Sommers, aus dem Bücherregal. In kurzen Kapiteln, abwechselnd aus der Sicht von Marie und Moritz, später auch aus der Sicht von Elisa und Johannes erzählend, entwickelt Catharina Graf eine Geschichte, die die moderne Arbeitswelt ebenso auf die Schippe nimmt wie Tagesbetreuungseinrichtungen für förderwütige Eltern oder Urlaubsflirts mit glutäugigen Italienern. Angetrieben wird die Story aber von durchaus ernstzunehmenden Themen: Der Wunsch nach beruflicher Verwirklichung, Angst vor Verantwortung und postnatale Depression sind die Handlungsmotive der jungen Frauen. Klingt nicht nach kurzweiliger Unterhaltung, ist es aber. 

Bullshit Bingo ist Catharina Grafs erster Roman, und auch wenn dieser noch eine Runde Lektorat vertragen hätte, um die eine oder andere sprachliche Knitterfalte auszubügeln, und sich die Ereignisse am Ende etwas zusehr überschlagen, das Spiel der Autorin mit sich wiederholenden Formulierungen, ihr Wortwitz und die Fähigkeit, Situationskomik in slapstickartige Bilder und witzige Dialoge zu fassen, sorgen dafür, dass der Lesenachmittag bei 30° im Schatten im Nu verfliegt.

Catharina Graf, Bullshit Bingo – Wie das Leben so spielt. neobooks Verlag München 2017. 223 Seiten. Ich danke der Autorin für das bereitgestellte Rezensionsexemplar. 

 

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