Alles, was ich weiß über die Liebe

9783462051957_10In meinem letzten Blogbeitrag habe ich Euch die Jurymitglieder des Women’s Prize for Fiction 2019 vorgestellt. Eine davon ist die britische Journalistin Dolly Alderton, die sich in ihren Kolumnen und Podcasts vor allem mit dem Thema Liebe und Beziehungen beschäftigt. Noch keine 30 veröffentlichte sie letztes Jahr ihre Autobiographie Everything I Know about Love und landete damit einen Volltreffer. Soeben ist das mit einem National Book Award ausgezeichnete Buch unter dem Titel Alles, was ich weiß über die Liebe auch auf Deutsch erschienen. Beginnend mit Alles, was ich als Teenager über die Liebe wusste  – „Eine Beziehung zu haben, ist das Wichtigste und Aufregendste überhaupt“ (S.7) –  erzählt Alderton von wilden Parties und nicht sehr langlebigen Beziehungen, dem perfekten Haus und der Krebserkrankung einer Freundin, einem nicht ganz nach Plan verlaufenen Aufenthalt in New York und den Sitzungen mit einer Psychotherapeutin. An ihr Studium an der Universität Exeter erinnert sie sich als Mitglied einer Mädchenclique von „lärmenden, dummen, selbstverliebten Exhibitionisten“  (S. 40), und während sie kein Geheimnis aus ihrem Alkohol- und Drogenkonsum macht, findet sie klare Worte zur Vorstellung, man könne sich uneingeschränkt besaufen und zudröhnen und trotzdem beruflich erfolgreich und bis ins hohe Alter fit sein.

Meine Meinung: Dolly Alterton erzählt die Geschichte ihrer Roaring Twenties mit Ehrlichkeit, Witz und Selbstironie in einzelnen Kapiteln. Zwischendurch gibt es Kochrezepte für alle Gelegenheiten,  E-Mails mit Betrachtungen über Phänomene wie Baby- und Dinnerpartys oder überkandidelte Hochzeiten und Listen à la Bridget Jones. Die Parallelen zu Helen Fieldings Erfolgsroman der späten 1990er-Jahre sind für mich auch sonst unübersehbar, aber es gibt doch große Unterschiede: Abgesehen davon, dass die fiktive Bridget zu Beginn ihrer Erzählung um 15 Jahre älter ist als die reale Dolly, verwendet Alderton eine  deutlich explizitere Sprache als ihre literarische Vorgängerin. Das hat mich zu Beginn etwas irritiert, was möglicherweise auch an der nicht sehr nuancenreichen Übersetzung liegt. Vor allem aber ist Dolly Alderton nicht auf der Suche nach Mister Right, sondern auf der Reise zu einem angemessenen Platz  in einem erfüllenden Leben. Am Ende wartet nicht der Traummann, sondern die Erkenntnis, was es für dieses erfüllende Leben braucht. Die Achtundzwanzig Lektionen, gelernt in achtundzwanzig Jahren, die die Autorin ihren Leser*innen in einem der letzten Kapitel präsentiert, fand ich beeindruckend: Bei mir hat es deutlich länger gedauert, so viele nützliche Erkenntnisse über das Leben zu gewinnen. 

Eine weitere Besprechung gibt es bei letusreadsomebooks.

Dolly Alderton, Alles, was ich weiß über die Liebe. Aus dem Englischen von Friederike Achilles. Kiepenheuer & Witsch 2019, 331 Seiten. Ich danke dem KiWi-Verlag herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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