Zeiten des Aufbruchs

Vor einigen Wochen habe ich Euch die von Carmen Korn gelesene Hörbuchversion ihres Romans Töchter einer neuen Zeit vorgestellt. Darin begleitet die Autorin 4 Frauen, alle um 1900 in Hamburg geboren, von ihrer Jugend bis ins Jahr 1949. In Zeiten des Aufbruchs erzählt sie, was das Leben für  Henny, Käthe, Ida und Lina in den nächsten zwei Jahrzehnten bringt. Während Käthe, die aus politischen Gründen im KZ war, vorläufig verschwunden bleibt und auch ihr Mann Rudi noch nicht aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt ist, beginnt sich Ida an der Seite ihrer großen Liebe Tian zu langweilen. Henny, die in zweiter Ehe mit einem überzeugten Nazi verheiratet war, muss sich Wahrheiten stellen, vor denen sie bisher lieber die Augen verschlossen hat, und ihrer Schwägerin Lina gelingt es, ihr privates Glück mit einem beruflichen Neuanfang als Buchhändlerin zu kombinieren. Obwohl Hamburg stark vom Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden war, geht es in der Zeit des Wirtschaftswunders für alle aufwärts, und davon profitiert vor allem auch die nächste Generation. Hennys Tochter Marike studiert Medizin, ihr Sohn Klaus macht beim Rundfunk Karriere, Florentine, die Tochter von Ida und Tian, reist als Fotomodell durch die Welt, und Ruth, die in sich gekehrte Adoptivtochter von Käthe und Rudi, kann sich im Studium verwirklichen und zeigt starkes politisches Engagemen

Meine Meinung: Der erste Teil von Carmen Korns Trilogie hat mir gut gefallen, und nun wollte ich wissen, wie es im Leben ihrer vier Protagonistinnen weitergeht. Die Autorin beschreibt dieses Leben  auch im zweiten Teil wieder vor dem Hintergrund der Geschichte Deutschlands und ihrer Heimatstadt Hamburg und lässt viele Details dieser Geschichte in ihre Erzählung einfließen. Manchmal tut sie dabei etwas zu viel des Guten, und die zahlreichen Nennungen bekannter Namen aus Politik und Kultur, die Verweise auf die Anfangszeit der Beatles in Hamburg oder die Mondlandung wirken ein bisschen aufgesetzt. Aber ich mag nostalgische Rückblicke, daher hat mich diese Erzählweise trotzdem angesprochenen, vor allem deswegen, weil es kein verklärter Blick ist: es werden auch Fragen wie der weitere Lebensweg ehemaliger Nazis, der restriktive Umfang mit Empfängnisverhütung und Abtreibung oder die Ausgrenzung und gesetzliche Verfolgung von Homosexuellen thematisiert. Naturgemäß verläuft das Leben für die vier Freundinnen im Frieden weit weniger dramatisch als in den Zeiten von Krieg und Diktatur, und der Umgangston zwischen den einzelnen Charakteren, der auch bei größeren Konflikten immer sehr zivilisiert bleibt, tut ein weiteres dazu, dass die Geschichte beim Zuhören ein bisschen das Gefühl einer Radiodoku mit Spielszenen hervorruft. Da es aber eine liebevoll gestaltete Doku mit großem Informationswert ist, werde ich mir ganz bestimmt auch Teil 3 nicht entgehen lassen. 

Carmen Korn, Zeiten des Aufbruchs. Gekürzte Hörbuchfassung gelesen von der Autorin. Random House Audio 2018. 10 h 49 min. 

Ich danke Random House Audio herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

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