Am A… vorbei geht auch ein Weg

Wie wunderbar es ist, wegzulassen, was einen nicht froh macht, so fasst Alexandra Reinwarth die Botschaft ihres Ratgebers zusammen, und Dinge, die einen nicht froh machen, gibt es viele: Einladungen, beim Übersiedeln mitzuhelfen, Aufträge für Gratis-Arbeiten, Werbeanrufe von Marketingfirmen, Teammeetings im Büro, gute Ratschläge für werdende Mütter, WhatsApp-Gruppen für Kita-Eltern, und dazu noch liegengebliebene Männersocken und das Ringen um die Bikinifigur. Die Autorin hat für diese Probleme eine einfache Lösung: mit einer eleganten Bewegung der Hüften Platz machen, damit die Angelegenheit einfach an einem vorüberziehen kann. Am A… vorbei eben. Klingt einfach und ist es auch, vorausgesetzt, man macht sich klar, wer und was einem im Leben wichtig ist und auf wen und worauf man gerne verzichten kann und möchte. Am Beginn dieses Lernprozesses steht für die Autorin ein beherztes F… dich! an eine Freundin und im Anschluss daran die Erkenntnis, sie verbringe viel zu viel Zeit mit Leuten, die sie nicht mochte, an Orten, die ihr nicht gefielen, und täte Dinge, die sie nicht wollte. Die logische Konsequenz: Schluss damit! und zwar Schluss damit, ohne dabei zum A…loch zu mutieren. Bei der Umsetzung dieses Vorsatzes lässt sich Alexandra Reinwarth von uns begleiten, und es wird eine sehr humorvolle Reise über verschiedene Stationen, an denen wir alle auch schon mal Halt gemacht haben, vom Kaffeeplausch mit der nervigen Bekannten über den Familiengeburtstag mit der neugierigen Tante bis zum Geburtsvorbereitungskurs mit geführter Meditation.

Meine Meinung: In gewisser Weise ist Am Arsch vorbei geht auch ein Weg das Kontrastprogramm zum letzten auf diesem Blog vorgestellten Titel: während Denk dich schlank den Weg zu Disziplin und Selbstoptimierung weist, habe ich Alexandra Reinwarths Ratgeber zumindest in Teilen als Empfehlung verstanden, alle Fünf gerade sein zu lassen, sich zu entspannen, und die Dinge so zu nehmen wie sie sind, oder sie eben gar nicht zu nehmen. Nicht selten ist nicht nur von einer zweiten Portion Nachtisch, sondern auch von vollen Aschenbechern und durchzechten Nächten die Rede. Eine gesunde Lebensweise sieht anders aus. Andererseits: Wer kann und will schon immer nur ein mustergültiges Leben führen? Und vor allem: Wer will schon immer allen Ansprüchen gerecht werden, die die anderen stellen? Genau das ist das zentrale Anliegen der Autorin: Sie lädt ihr Leser*innen dazu ein, sich alle Verpflichtungen vom Hals zu schaffen, die nicht aus eigenem Antrieb, sondern von außen kommen. In die Situationen aus ihrem eigenen Leben, von denen die eine oder andere möglicherweise ein wenig ausgeschmückt ist, konnte ich mich nicht nur sehr gut hineinversetzen, sie haben mich auch immer wieder zum Lachen gebracht. Und sie haben mich dazu angeregt, das eine oder andere mal meine Hüfte elegant zur Seite zu bewegen, um manche Ansprüche…

Alexandra Reinwarth, Am Arsch vorbei geht auch ein Weg. Als Hörbuch gelesen von der Autorin. mvg-Verlag 2017. 4 h 24 min.

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3 Gedanken zu “Am A… vorbei geht auch ein Weg

  1. Ich glaub auch nicht, dass es der Weisheit letzter Schluss ist, immer alles an sich abgleiten zu lassen, aber bei nervigen Freund*innen, Tanten und Kolleg*innen hilft es sicher. Empfehlen kann ich es aber in jedem Fall, es ist sehr lustig geschrieben.
    Herzliche Grüße
    Niamh

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