Zurück aus Irland

Version 2Wie im letzten Beitrag angekündigt, habe ich mich auf meiner Reise nach Irland nicht nur auf die Spuren bekannter, sondern auch auf die Suche nach „neuen“ Autorinnen gemacht. Ich bin fündig geworden, wenn auch etwas anders als erwartet. Zunächst habe ich mich in einer Filiale der Buchhandelskette Eason in Galway umgesehen. Dort stehen vor allem Taschenbücher in den Regalen, daneben gibt es auch eine gut sortierte Schreibwarenabteilung. In der ChickLit-Abteilung war ein für mich neuer Name an prominenter Stelle vertreten: Emma Hannigan. Ihr erst im Frühjahr 2018 erschienener jüngster Roman Letters to my Daughters wird leider auch ihr letzter bleiben, denn sie ist im März dieses Jahres an Krebs gestorben. Emma Hannigan war nicht nur Romanschriftstellerin, sie hat ihre Gedanken ab 2010 auch auf ihrem Blog geteilt und dabei ihren Kampf gegen die Krankheit und vor allem ihren unnachgiebigen Optimismus dokumentiert.Weiterlesen »

Advertisements

ChickLit-Ferien

1. Juli, das klingt nach Sommerferien,  Sonne, Meer und – ChickLit. Keine Zeit im Jahr ist besser dazu geeignet, die eigene Seele baumeln zu lassen, indem man sich in das Seelenleben fiktiver Geschlechtsgenossinnen vertieft und mit diesen lacht, weint, hofft, bangt, trauert und feiert. Da ich die Sonne und das Meer, nicht aber die Hitze liebe, habe ich mir heuer wieder ein Reiseziel ausgesucht, das nicht nur für mich ideale klimatische Bedingungen bietet (wenn stören schon Regenschauer und 18°C Außentemperatur), sondern auch das Land ist, in dem ChickLit mit-erfunden wurde: Viele der erfolgreichsten ChickLit-Autorinnen kommen aus Irland, das auch sonst nicht arm an literarischen Größen ist.

Irland 2012f
Dingle Peninsula, West Cork, Ireland

Da wäre zunächst einmal Maeve Binchy. Sie wurde 1939 in Dalkey geboren, einem der wohlhabendsten Vororte von Dublin, studierte am University College Dublin Geschichte und arbeitete als Lehrerin für Geschichte, Französisch und Latein, bevor sie 1963 nach Israel reiste. Die Briefe, die sie von dort nach Hause schrieb, waren der Beginn ihrer schriftstellerischen Karriere: Ihre Eltern schickten die Briefe an eine Zeitung, die sie prompt veröffentlichte. Ab 1968 arbeitete sie für die Irish Times und betreute deren „Frauenseite“. Nachdem ihr erstes Buch fünfmal von Verlagen abgelehnt worden war, veröffentlichte sie 1982 den Roman Light a Penny Candle (Irische Freundschaften). Schon 1983 wurden die Rechte dafür um 52.000 Pfund, die höchste bis dahin jemals für einen Romanerstling bezahlte Summe, verkauft, und bei ihrem Tod war Maeve Binchy eine der reichsten Frauen Irlands. Das hatte aber keinen Einfluss auf ihren Lebensstil. Durch Zufall verbrachte ich im August 2012, wenige Wochen nach Maeve Binchys Tod, einige Tage in Stanley House, einem B&B in Schull, Dingle Peninsula, West Cork. Die Zimmer waren für eine Frühstückspension zwar fast schon luxuriös, aber das hatte ich auch anderswo schon erlebt. Nancy Brosnan bewirtete ihre Gäste sehr stilvoll und mit großer Aufmerksamkeit, vor allem aber mit großer Herzlichkeit. Beim Plaudern erzählte sie mir, dass Maeve Binchy alljährlich ihre Ferien in Stanley House verbracht hatte und eine gute Freundin geworden war. Keine Luxushotels also für Maeve Binchy, sondern ein komfortables B&B, in dem das Zimmer für eine Familie nur etwas mehr als 120 Euro kostete. Damals habe ich mir vorgenommen, bald einen von Maeve Binchys 17 Romanen zu lesen, heuer werde ich das hoffentlich endlich nachholen können.

IMG_2208Fast vollständig abgearbeitet habe ich hingegen schon meine Liste der Romane von Sheila O’Flanagan, nachdem mich vor einigen Jahren ihr 2006 erschienener Roman Yours, Faithfully (Mit all meiner Liebe) begeistert hatte. Darin treffen einander zwei Frauen am Krankenbett eines schwer verunglückten Mannes und entdecken, dass sie beide mit ihm verheiratet sind. Klingt wenig plausibel und übermäßig dramatisch, aber Sheila O’Flanagans Geschichten zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie glaubwürdige Figuren in ungewöhnlichen Situationen zeichnen kann. Die Autorin wurde 1958 in Dublin geboren und machte als Finanzexpertin einer Bank Karriere, bevor sie 1999 ihren ersten Roman Suddenly Single (Plötzlich Single) veröffentlichte. Ihren eigenen Erfahrungen im Wirtschaftsleben ist es wahrscheinlich zu verdanken, dass ihre Figuren meist Frauen sind, die sich mit den realen Problemen des Alltags und der Arbeitswelt ebenso auseinandersetzen müssen wie mit romantischen Verwicklungen.  Nachdem längere Zeit keines ihrer Bücher auf Deutsch erschienen war, hat der Insel Taschenbuch-Verlag heuer Helle Nächte am Meer (The Missing Wife) veröffentlicht. Darin geht es um eine Frau, die von ihrem tyrannischen Ehemann Reißaus nimmt, um wieder zu sich selbst zu finden. Auf ihrem Twitter-Account hält Sheila O’Flanagan auch mit ihrer Meinung zu politischen Themen nicht hinter dem Berg, sie unterstützt Projekte für Frauen und ist eine der Direktorinnen von Fighting Words, einer von ihrem Schriftstellerkollegen Roddy Doyle gegründeten Organisation, die Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen dabei hilft, ihr literarisches Potential zu entdecken.

IMG_2209Eine irische Autorin, deren Bücher fast alle ins Deutsche übersetzt wurden, ist die 1963 in Limerick geborene Marian Keyes. Ihr jüngster Roman The Break wird sicher bald folgen, denn seit ihrem Debüterfolg Wassermelone (Watermelon) im Jahr 1995 ist sie ständiger Gast in den Bestsellerlisten. Wassermelone ist der erste von bisher fünf Bänden der Serie um die Mitglieder der Walsh-Familie, bei der es trotz enger Familienbande nicht nur idyllisch zugeht. Besonders berührt hat mich Anybody Out There (Erdbeermond). Darin versucht Anna Walsh nach einem traumatischen Einschnitt wieder ins Leben zurückzufinden. Die Bücher von Marian Keyes beschäftigen sich, wie sie auf ihrer Homepage schreibt,  mit „modernen Sorgen“: Sucht, Depression, häusliche Gewalt, die Gläserne Decke und schwere Erkrankungen. Marian Keyes hat selbst offen über ihre Alkoholsucht und ihre Depressionen gesprochen und diese auch in ihren Büchern thematisiert. Der irische Humor kommt dabei aber nie zu kurz, und am Ende gibt es immer Anlass zu Optimismus.

PS ICH LIEBE DICH.jpgDie vierte irische ChickLit-Autorin, die ich hier vorstellen möchte, ist auch die Jüngste und eine der im deutschen Sprachraum Erfolgreichsten: Cecilia Ahern. Sie wurde 1981 als Tochter des späteren Taoiseach (Ministerpräsidenten) Berti Ahern geboren und begann schon als Kind zu schreiben. Sie studierte Journalismus und verfasste im Alter von 21 Jahren ihren ersten Roman, der sofort ein Bestseller wurde: P.S. Ich liebe Dich. Seither hat sie bereits zahlreiche Romane veröffentlicht, die alle Bestseller waren und von denen zwei (P.S. Ich liebe Dich und Für immer, vielleicht) auch verfilmt wurden. Ihre meist romantisch-dramatischen Geschichten sprechen vor allem ein jüngeres Publikum an und sind an ganz vielen Stränden und Swimmingpools vertreten. 2016 sind kurz hintereinander zwei Romane erschienen, in denen sich Cecilia Ahern in einem etwas anderen Genre versucht, das aber ebenfalls ein junges Publikum anspricht: Flawed und Perfect erzählen die Geschichte der 17-jährigen Celestine, die in einer perfekten Welt darum kämpft, ihre Unabhängigkeit zu gewinnen und Fehler machen zu dürfen.

Ich bin schon gespannt, welche „neuen“ Autorinnen ich in Irland kennenlernen werde und verspreche, diese hier vorzustellen. In der Zwischenzeit wünsche ich Euch einen erholsamen ChickLit-Sommer!

Perfect Roman Holiday

20171127_123920Roman Holiday ist der englische Titel des Films Ein Herz und eine Krone, in dem eine junge Prinzessin an der Seite eines charmanten Journalisten Rom entdeckt.  Die Bilder von Audrey Hepburn und Gregory Peck, wie sie auf einer Vespa durch enge Gassen und am Kolosseum vorbei flitzen, und jene aus Federico Fellinis La Dolce Vita, wo Anita Eckberg in der Fontana die Trevi ein Bad nimmt, haben bis vor einer Woche meine Vorstellung von der Ewigen Stadt dominiert. Natürlich kenne ich die historischen Eckdaten (7-5-3 – Rom schlüpft aus dem Ei), aber viel mehr wusste ich über mein Reiseziel nicht, als ich zwei Tage vor Abflug in meine Buchhandlung ging, um zumindest einen Reiseführer in der Tasche zu haben. Mein Buchhändler empfahl mir Ein perfektes Wochenende in … Rom (herausgegeben vom Online-Cityguide www.smart-travelling.net), und dieses kleine Büchlein erwies sich als Glücksgriff. Anstelle langer Listen von Sehenswürdigkeiten und detaillierter kunsthistorischer Beschreibungen gibt es Tipps für Restaurants, Cafés und Bars, in denen man hauptsächlich Einheimische antrifft, und 10 Das-muss-man-gesehen-haben-Locations, begleitet von der Empfehlung, die Stadt einfach zu genießen.

 

 

Weiterlesen »