Das weiße Feld

IMG_0638Das weiße Feld von Lenka Hornáková-Civade erzählt von vier Frauen: Marie, deren Tochter Magdalena, der Enkelin Libuce und der Urenkelin Eva. Geschildert werden die Ereignisse in drei Teilen, jeweils aus der Perspektive von einer der drei Jüngeren, die eines gemeinsam haben: Sie sind unehelich geboren, und das ist in dem kleinen mährischen Ort, in dem sie leben, ein schwerer Makel. Marie war mit der 1929 in Wien geborenen Magdalena in die Tschechoslowakei zurückgekehrt, nachdem der Arzt, bei dem sie gearbeitet hatte, mit seiner Familie vor den Nazis geflohen war. Sie hatte gewusst, wie sie sich für ihr neues Leben in ihrem Heimatdorf wappnen musste:

Während der Zug uns einem entlegenen Dorf näher brachte, löste meine Mutter ihr kunstvolle, elegante Frisur. Sie fuhr mit den Händen durch ihren blonden Haarschopf, ließ ihre Haare frei auf Schultern und Rücken fallen. Sie warf den Kopf zurück und verharrte einige Augenblicke unbeweglich. Mit geschlossenen Augen. Ich erinnere mich ganz genau. Sie atmete tief. Anschließend griff sie alle ihre Haare mit einer entschlossenen und zielsicheren Bewegung, glättete sie und schlang sie zu einem strengen Knoten. Sie setzte sich das Kopftuch auf, das ich vorher nie an ihr gesehen hatte.

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