Autorinnen auf der Buch Wien 2018

Meine Vorstellung vom Schlaraffenland: eine Messehalle voller Bücher, Autorinnen, die bereitwillig über ihre Werke und deren Entstehungsgeschichte Auskunft geben und vier Tage Zeit, um das alles in Ruhe zu genießen. Meine Realität: fast damit identisch, nur leider keine vier Tage, sondern gerade mal ein halber und ein ganzer Nachmittag für das riesige Angebot. Zum Glück fiel einer dieser Nachmittage auf den Sonntag, und zum Glück war da die Dichte an interessanten Autorinnen besonders groß und das Angebot sehr vielfältig.

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Birgit Fenderl und Anneliese Rohrer im Gespräch mit Juliane Nagiller

Gerade noch rechtzeitig schaffte ich es zur Präsentation von Die Mutter, die ich sein wollte. Die Tochter, die ich bin. Darin beschäftigen sich Anneliese Rohrer und Birgit Fenderl mit der „Mutter aller Beziehungen“ – der Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Anhand von prominenten und weniger prominenten Beispielen machen sich die beiden Journalistinnen, selbst Mütter von Töchtern, auf die Suche nach den Prägungen, Erziehungsmustern und Rollenbildern im Leben von Frauen, die im besten Fall den Müttern gutgeschrieben und im schlechtesten Fall diesen angelastet werden. Ein großes Thema auch zwischen Müttern und Töchtern ist die Frage, wie man Familie und Karriere unter einen Hut bringen kann. Auch die für das Buch ebenfalls interviewte deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen war nicht davor gefeit, sich gegen Kritik aus der eigenen Familie zur Wehr setzen zu müssen. „Das Schlimmste ist dabei das schlechte Gewissen“, zitiert  Rohrer die Politikerin. Eine detaillierte Besprechung der Betrachtungen folgt demnächst auf diesem Blog.

Hager
Juliane Nagiller im Gespräch mit Angelika Hager

Die nächste Präsentation, die ich mir im Programm angestrichen hatte, bildete so etwas wie einen Kontrastpunkt zur ersten. Nicht Frauen, sondern Männer waren die Gesprächspartner, die Angelika Hager für Kerls! – Eine Safari durch die männliche Psyche interviewt hat. Angeregt durch die #MeToo-Debatte zeigt sie, weshalb Männer wie ticken und wie Frauen mit den dabei entstehenden Geräuschen umgehen. Wer die Polly Adler-Kolumnen der Journalistin kennt, wird nicht verwundert sein, dass sie dem Thema auch humorvolle Seiten abgewinnen kann. Das klingt auch an, wenn Hager erzählt, man habe ihr bei ihrer Recherche von Frauen berichtet, die ihre Männer bei der Paartherapie „reparieren lassen wollen“.

Uhlig
Juliane Nagiller im Gespräch mit Elena Uhlig

Auch beim nächsten Programmpunkt auf meiner Liste kommt der Humor nicht zu kurz. Die Schauspielerin Elena Uhlig berichtet in Qualle vor Malle davon, wie es zugeht, wenn sie mit ihrer Familie Urlaub in einem Familienhotel auf Mallorca macht. Ihre Familie, dazu gehören ihr Ehemann, der Schauspieler Fritz Karl, und die mittlerweile vier gemeinsamen Kinder. Das Buch enthielte zwar die eine oder andere Verdichtung, räumt die Autorin ein, basiere aber auf realen Erlebnissen. Die Angestellten im Reisebüro würden manchmal glauben, sie seien unfreiwillig Teil von Verstehen Sie Spaß? geworden, wenn die Familie Uhlig/Karl auftaucht, um einen Urlaub zu buchen, erzählt sie, und sie müsse sich auch damit auseinandersetzen, dass superschlanke Flugbegleiterinnen ihren Mann anflirten und sie daneben vollkommen ignorieren.

Stöckel
Claudia Stöckel im Gespräch mit Judith Hoffmann

Wieder auf der Hauptbühne tritt eine Autorin auf, die mit literarischer Verdichtung gar nichts am Hut hat, sondern immer bemüht ist, möglichst nahe an die Realität heranzukommen. In Interview mit dem Leben liefert Claudia Stöckel Hintergrundinformationen zu ihren sonntäglichen Interviews im Frühstück bei mir. Wer die Sendung kennt, weiß, dass sie ihren Interviewpartner*innen meist deutlich mehr als nur die PR-tauglichen Statements entlocken kann. Im Buch und im Gespräch mit Judith Hoffmann erzählt sie davon, wie ihr das gelingt, aber auch von jenen Fällen, in denen Interviews daneben gingen oder sogar abgebrochen wurden.

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Doris Priesching und Ursula Strauss

Die nächste Autorin war selbst schon Gast bei Claudia Stöckel. Ursula Strauss gehört zu meinen Lieblingsschauspielerinnen, daher war die Präsentation ihres Buches Warum ich nicht mehr fliegen kann und wie ich gegen Zwerge kämpfte für mich so etwas wie ein Pflichttermin. Ihre Co-Autorin Doris Priesching hatte die Idee, Ursula Strauss ausgehend von Familienfotos über ihr Leben erzählen zu lassen.  Warum sie nicht mehr fliegen kann und wie sie gegen Zwerge kämpfte erfuhr ich bei der Präsentation der Erinnerungen zwar nicht, dafür aber viel über ihren Umgang mit ihrem Beruf und dem Interesse der Öffentlichkeit und der Medien an ihrer Person. Es sei beim Schreiben manchmal schwierig gewesen, die Grenzen der Familie nicht zu verletzen, aber für sich selbst scheint es Ursula Strauss nicht schwer zu fallen, eine klare Trennlinie zu ziehen: Wenn es darum geht, Dinge über sich zu erzählen, unterscheidet sie zwischen Persönlichem und Privatem. Die Beziehung sei außen vor, das gehört zum Privaten, sie findet jedoch nichts dabei, über Persönliches wie Selbstzweifel und Gefühle zu sprechen. „Schmerz, Freude, Humor, Leid – das ist bei mir genau wie bei allen anderen.“ Manchmal hadert sie damit, dank ihres Bekanntheitsgrades in der Öffentlichkeit sehr rasch wahrgenommen zu werden, sie habe aber das Glück, da langsam hineingewachsen zu sein und von ihrer Familie immer wieder auf den Boden zurückgeholt zu werden. Der Beruf erfordere hohe Präzision und sei auch sonst sehr fordernd. „Du musst kerngesund und absolut schmerzfrei sein“, habe sie zu Beginn ihrer Tätigkeit gehört, und das kann sie bestätigen. „Man braucht starke Nerven.“

Dine Petrik
Esther Capo im Gespräch mit Dine Petrik

Eher durch Zufall kann ich dann dazu, als Dine Petrik aus  Stahlrosen zur Nacht  las, einem Titel, den sie als Strophen eines Romans bezeichnet. Darin setzt sie sich mit den harten Erfahrungen als Mädchen auf dem Dorf auseinander. Für die mehrfach ausgezeichnete Autorin ist das Schreiben auch ein Mittel, mehr Klarheit über sich selbst zu erlangen, und aus dem, was sie über ihre Kindheit im Mittelburgenland der Nachkriegszeit erzählt, klingt ein unnachgiebiges Sich-nicht-unterkriegen-lassen heraus, das damals begann und bis heute anhält.

Alex Beer BuchWien
Alex Beer im Gespräch mit Judith Hoffmann

Die letzte Autorin auf meiner Liste war Alex Beer, die ich schon vor einigen Monaten bei der Präsentation ihres Roman Die rote Frau kennengelernt hatte. Sie erzählt über die intensive Recherche für ihre in den frühen Zwanzigerjahren in Wien spielenden Kriminalgeschichten um den Ermittler August Emmerich. Die Ergebnisse dieser Recherche finden auch Eingang in die Handlung. Als Beispiel nennt sie Emmerichs Heroinsucht, die in Teil 1, Der zweite Reiter, ihren Anfang nimmt und die er in Teil 2, Die rote Frau, mit Alkohol bekämpft. Diese Abhängigkeit habe sie ihm verpasst, nachdem sie herausgefunden hatte, dass Heroin zur damaligen Zeit in Tablettenform legal erhältlich war. Auf die Frage, warum sie sich einen solchen Aufwand antue, antwortet Beer: „Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich es nicht gemacht. Aber das hab ich mir eingebrockt, jetzt muss ich es auslöffeln.“ Sie löffelt offenbar fleißig, denn im Mai 2019 erscheint der dritte Band der Serie.

 

Version 2
Daniel Wisser und Marie Gamillscheg im Gespräch mit Katja Gasser

Nicht erst am Sonntag, sondern schon am Donnerstag fand ein Interview mit den beiden Preisträger*innen des diesjährigen Österreichischen Buchpreises statt. Ich hatte ja jenseits jeder weiblichen Solidarität Arno Geiger die Daumen gedrückt, von dessen Roman Unter der Drachenwand ich restlos begeistert war, aber die Jury entschied sich für Königin der Berge von Daniel Wisser. Seine Hauptfigur  Herr Turin wartet in einem Pflegeheim auf den richtigen Moment und eine günstige Gelegenheit, seinem von Multipler Sklerose bestimmten Leben ein Ende zu setzen. Der Debütpreis ging dann aber an eine Frau: Marie Gamillscheg wurde für Alles was glänzt ausgezeichnet. Darin wirft sie einen sehr genauen Blick auf ein Dorf, das immer noch irgendwie vom Bergbau dominiert wird, obwohl die Förderung längst eingestellt wurde.  Auch diesen Titel werde ich demnächst hier besprechen, daher sei vorläufig nicht mehr verraten.

Natürlich hätte es noch Vieles zu entdecken gegeben, aber wie gesagt: ein halber und ein ganzer Nachmittag. Da blieb gerade noch Zeit dafür, einen Blick auf meine besondere Leseleidenschaft zu werfen: Krimis. Den Beitrag dazu findet Ihr auf www.britlitscout.com.

Titelbild (C) LCM Foto Richard Schuster

 

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Die rote Frau

IMG_1959Alex Beer? Wieso schon wieder ein männlicher Autor auf diesem Blog? Aber Alex Beer, das ist die aus Bregenz stammende Autorin Daniela Larcher. Diese Woche hat sie in der Buchhandlung Leo in Wien ihren zweiten August-Emmerich-Krimi vorgestellt. Nach Der zweite Reiter nun Die rote Frau. Ihre Namenswahl spricht die Autorin gleich zu Beginn der Lesung an, und sie gibt auch einen Einblick in ihren Werdegang als Schriftstellerin: Nach einem BWL- und einem Archäologiestudium habe sie in New York bei einem Verlag gearbeitet und dabei erkannt: Bücher schreiben – das ist es! Nach ihrer Rückkehr habe sie unter ihrem wirklichen Namen mehrere Krimis veröffentlicht, dann aber einen Psychothriller schreiben wollen und sich dafür das Pseudonym zugelegt. Als sie die ersten 100 Seiten des Thrillers ihrem Literaturagenten vorlegte, fand dieser den Text zwar schlecht, konnte aber das Problem orten: Ihre Sprache sei für das Genre einfach zu antiquiert. Also galt es, das Sujet dem Schreibstil anzupassen. So entstand der erste Fall des in der Zwischenkriegszeit in Wien ermittelnden August Emmerich. „Ich kann die Leser auf eine Zeitreise mitnehmen“, sagt die Autorin und spricht über die sozialen und gesellschaftlichen Hintergründe ihrer Geschichten, die sie in der Österreichischen Nationalbibliothek anhand der dort archivierten Tageszeitungen recherchiert. Der zweite Reiter spielt im Jahr 1919, der Mord, der den Auftakt zu Die rote Frau bildet, wird am 18. März 1920 verübt. „Damals war Wien ein Drecksloch.“ Diese Aussage gefällt nicht allen im Publikum, auch wenn die Autorin zu bedenken gibt, dass dies die Zeit vor den als Rotes Wien in die Geschichte eingegangenen Sozialreformen gewesen sei. Lebensmittel- und Energieknappheit, hohe Arbeitslosigkeit, miserabelste Wohnbedingungen, schlechte Gesundheitsversorgung. Genau aus diesen Gründen sei Wien damals aber eine Metropole der Filmindustrie gewesen, die in Die rote Frau ebenfalls eine Rolle spielt: Ein Heer von Arbeitslosen, das waren billige Statisten für die Monumentalfilme.

Auch dem Ermittlerduo Emmerich und Winter hat das Leben übel mitgespielt. August Emmerich ist in einem Waisenhaus aufgewachsen. Gerade einmal die Hälfte aller Kinder, die in einer solchen Einrichtung untergebracht waren, hätten ihre Volljährigkeit erlebt, erzählt Beer. Im Krieg war er durch einen Granatsplitter verwundet worden und leidet immer noch an den Folgen. Aufgrund von Umständen, die im ersten Teil der Serie nachzulesen sind, lebt Emmerich jetzt in dem Männerwohnheim in der Meldemannstraße im 20. Wiener Gemeindebezirk, in dem vor dem Ersten Weltkrieg auch jener erfolglose Kunstmaler Unterschlupf gefunden hatte, der den Zweiten Weltkrieg vom Zaun brechen sollte. Emmerichs Assistent Ferdinand Winter wohnt zwar wesentlich feudaler, aber ansonsten geht es dem verarmten Adeligen kaum besser als seinem Vorgesetzten.

IMG_1951Meine Meinung: Die sympatisch-selbstsichere Unverblümtheit, mit der Daniela Larcher/Alex Beer vor Publikum spricht, findet im Roman ihr Gegenstück in einer stilsicheren Beschreibung des sozialen Umfelds einer Zeit, die, wie die Autorin meint, in der Literatur unterrepräsentiert ist. Genau deshalb hat sie sich auf diese Epoche konzentriert. Sie will Unbekanntes zeigen und sagt: „Ich probiere, meine Leser an Orte mitzunehmen, wo sie sonst nicht hinkommen.“ Als Beispiele nennt sie den Wienerberg, die Chatham Bar (heute das legendäre Café Hawelka und zufällig auch der Ort, an dem die Buchhandlung Leo 1817 gegründet wurde) oder die mehrstöckigen Keller unter der Innenstadt. Dort spielt eine sehr unterhaltsame, wenn auch brutale Ringkampfszene, und das ist auch eine der Passagen, in denen Dialoge im Wiener Dialekt dem Roman zusätzlich Authentizität verleihen. An dieser Stelle hatte die Geschichte schon rasant Fahrt aufgenommen, und das mit einer Lockerheit, die im Kontrast zum düsteren Setting steht. „Alle Krimis sind irgendwie gleich“, behauptet die Autorin. Auch das werden manche nicht gern hören, und wahrscheinlich stimmt es auch nicht. Aber die Krimis von Alex Beer sind in jedem Fall ganz anders als alles, was ich bisher gelesen habe. „Warten Sie erst auf Teil 3“, verspricht sie. Ich warte!

Alex Beer, Die rote Frau. Ein Fall für August Emmerich. Limes 2018. 411 Seiten. Ich danke der Buchhandlung Leo für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

 

 

Bist du wahnsinnig geworden?

IMG_1378Claudia Erdheims Debütroman Bist du wahnsinnig geworden? erschien erstmals 1984/85 im Löcker Verlag und wurde soeben vom Czernin-Verlag neu aufgelegt. Im Zentrum steht die Beziehung der Autorin zu ihrer Mutter, einer  Psychoanalytikerin, die im Wien der Nachkriegszeit zwei Töchter alleine großzieht, nachdem ihr Mann sie verlassen hat. Die Familie mit jüdischen Wurzeln ist dem Holocaust nur durch Glück entkommen, daher ist es kein Wunder, dass die „Frau Doktor“ ihrer Umgebung mit zorniger Überheblichkeit begegnet. Verschont bleiben davon nur ihre Patienten, denen ihre ganze Aufmerksamkeit gilt. Die Töchter hingegen erleben den Alltag als Abfolge von Worttiraden gegen alles und jeden in einer Welt, vor der sie um jeden Preis ferngehalten werden müssen. Weiterlesen »

BuchWien von und für Frauen

20171109_150357Die zur Zeit stattfindende BuchWien präsentiert zahlreiche Autorinnen, die sich auf unterschiedlichste Weise mit der Lebenswelt von Frauen beschäftigen. Neben den bekannten Namen finden sich auch solche, von denen man noch nicht ganz so viel gehört hat.

So beschreibt Laura Freudenthaler in ihrem Roman Die Königin schweigt die Lebensgeschichte der über 80-jährigen Fanny, die zwar das Notizbuch, dass ihr ihre Enkelin geschenkt hat, damit sie darin ihre Erinnerungen festhält, mit leeren Seiten auf dem Nachttisch liegen lässt, von einzelnen Fragmenten diesen Erinnerungen aber nicht losgelassen wird, während sie vereinsamt auf den Besuch ihrer Tochter wartet. Im Gespräch im Literaturcafé der Messehalle sagt die Autorin, ihre Erzählung sei der Versuch, gegen das Schweigen und die Sprachlosigkeit anzukämpfen, die sie auch in ihrer Umgebung kennengelernt habe. Die Sprache, die sie dafür verwendet, klingt so rau wie die Umstände, unter denen Fanny groß geworden ist, und gefragt, ob sie ihren Schreibstil an die jeweils beschriebene Geschichte anpasse, gibt Freudenthaler zwei Antworten: anders sei das Schreiben für sie gar nicht vorstellbar, sagt sie, andererseits könne sie nicht wirklich sagen, wie das vor sich gehe, es passiere eher automatisch.

Theodora Bauer erzählt in Chikago vom Schicksal der jungen Katica, die in den 20er-Jahren gemeinsam mit ihrem Freund Feri nach Amerika auswandert, um der Armut in der Heimat zu entgehen. Anregungen für ihren Roman fand Theodora Bauer in den Lebens- und Familiengeschichten der Bewohner des Ortes Kittsee nahe dem Dreiländereck Österreich–Ungarn–Slowakei. Sie stellt ihr Buch gemeinsam mit der Autorin und Kolumnistin Saskia Jungnikl vor. Deren jüngste Veröffentlichung Eine Reise ins Leben oder wie ich lernte, die Angst vor dem Tod zu überwinden liefert mit dem Titel gleich die Inhaltsangabe.

Präsentiert werden (wie auf dem Bild zu sehen) auch die Gewinnerinnen des heuer zum zweiten Mal vergebenen Österreichischen Buchpreises und des Debütpreises: Eva Menasse, die schon zu den großen Namen auf der Messe gehört, hat den Hauptpreis für den Erzählungsband Tiere für Fortgeschrittene verliehen bekommen. Jeder ihrer Geschichten über Menschen ist eine Erkenntnis über das Verhalten einer Spezies aus dem Tierreich vorangestellt, und im Podiumsgespräch erklärt die Autorin – übrigens eines der freundlichsten Gesichter in der Messehalle – wie hilfreich Analogien aus den Naturwissenschaft beim Ordnen der Gedanken seien. Diesen Ansatz hat sie auch in ihrem 2013 erschienen Roman Quasikristalleverwendet, in dessen 13 Kapiteln eine Person, Xane Molin, immer wieder in unterschiedlichen Rollen und aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen auftaucht.

Der Debütpreis ging an die in Teheran geborene und in Deutschland aufgewachsene Schriftstellerin Nava Ebrahimi. Ihre Zweisprachigkeit habe sich, wie sie berichtet, beim Schreiben als sehr hilfreich erwiesen: Ihre eigene „deutsche“ Humorlosigkeit könne sie kompensieren, indem sie auf den persischen Humor zurückgreife, und auch die bildreiche Sprache des Persischen erweitere das Repertoire für ihre literarische Arbeit. Auch bei den Sechzehn Wörtern, die ihrem Debütroman den Titel geben, handelt es sich  um persische Begriffe, und und Ebrahimi sagt, diese hätten ihr sehr dabei geholfen, ihre Gedanken zu ordnen, nachdem sie die Idee für den Roman schon lange Zeit mit sich herumgetragen habe.

Vier der genannten Bücher warten seit gestern auf meinem SUB, eines werde ich mir morgen noch besorgen, für die Beiträge der nächsten Wochen ist also gesorgt.