Mein Lieblingstier heißt Winter

Norbert und Harald stehen auf dem Bauch eines Stegosaurus, um diesem den Dreck vieler Jahre abzuschrubben, denn der Dinopark, in dem sie am Werk sind, soll nach dem Willen eines großzügigen Sponsors wiedereröffnet werden. Die beiden Männer arbeiten für die Firma Schimmelteufel. Diese hat ihre Existenz der Tatsache zu verdanken, dass es der Putzfrau Sabine Teufel einige Jahre zuvor gelungen ist, an die zur Firmengründung notwendige Geldsumme heranzukommen. Währenddessen liefert Franz Schlicht Tiefkühlwaren aus, um eine alte Schuld abzutragen. In der brütenden Sommerhitze ist das eine Ochsentour, und es bleibt nicht die einzige. Sein Stammkunde Doktor Schauer kauft immer Rehragout, doch diesmal hat er noch einen anderen Wunsch, und Schlicht fühlt sich verpflichtet, den einmal übernommenen und im voraus bezahlten Auftrag zu erfüllen. Das bringt ihn mit seltsamen Menschen in Berührung und in große Gefahr. Schnell merkt Schlicht, dass alles irgendwie mit allem zusammenhängt, und er gibt nicht auf, bevor er alle Rückschläge überwunden hat und der Sache auf den Grund gegangen ist.

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Dunkelblum

Etwas mehr als eine Woche nach der Veröffentlichung der Longlist für den Deutschen Buchpreis wurden heute auch die für den Österreichischen Buchpreis 2021 Nominierten genannt, und während Monika Helfers Vati und Ferdinand Schmalz‘ Mein Lieblingstier heißt Winter auf beiden Listen zu finden sind, fehlt Eva Menasses soeben erschienener Roman Dunkelblum ganz. Schade!

August 1989. Nach dem unerwarteten Tod seiner Mutter kommt der Mittdreißiger Lowetz zurück nach Dunkelblum, einem Ort nahe der Grenze, und findet dort eine Welt vor, die er fast vergessen hatte, die aber immer noch beinahe so funktioniert wie in seiner Kindheit, in wesentlichen Zügen sogar noch immer so wie in der Jugend seines schon lange verstorbenen Vaters. Immer noch dieselben Nachbarn, immer noch derselbe Gemeindearzt, immer noch derselbe Greißler, immer noch dieselben Winzerfamilien, immer noch der Stammtisch in der Gaststube des Hotel Tüffer, und immer noch tut „eine Gruppe von ehemaligen Halbstarken“ ihr Möglichstes, damit keiner aus der Reihe tanzt.

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Das schwarze Band

Wien im Juli 1921. In der Stadt ist es genauso heiß wie fast 100 Jahre später während ich diese Besprechung schreibe, im Parlament an der Ringstraße sitzen neben den alteingesessenen Privilegierten neureiche Emporkömmlinge, die Regierung steht dem Elend in der Bevölkerung, der beginnenden Hyperinflation und dem Widerstand gegen die Eingliederung Westungarns in die Republik hilflos gegenüber, und Kriminalinspektor August Emmerich wird kaserniert. Nachdem er den neu angelobten Bundeskanzlei Schober beleidigt hatte, ist er zu einem Disziplinierungslehrgang in der Schwarzenbergkaserne verdonnert worden und darf die Polizeidirektion vorläufig nicht betreten. Aus diesem Grund muss sein Assistent Ferdinand Winter, der das „von“ in seinem Namen seit drei Jahren nicht mehr führen darf, seine vornehmen Manieren aber nur zögerlich gegen Emmerichs ungehobelte Durchschlagskraft auszutauschen bereit ist, alleine im Mord an zwei jungen Tänzerinnen ermitteln. Dazu muss er zunächst deren untergetauchte Mitbewohnerin ausfindig machen, und dabei ist seine Unbedarftheit nicht nur hinderlich, sondern lebensgefährlich.

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Rückwärtswalzer oder die Manen der Familie Prischinger

Lorenz Prischinger badet in Selbstmitleid: Seine Karriere als Schauspieler ist nach hoffnungsvollen Anfängen zum Erliegen gekommen, seiner Freundin Stephie unterrichtet seit einem Jahr nicht mehr in Wien, sondern an der Universität Heidelberg, und sowohl Sozialversicherung als auch Finanzamt drohen mit der Zwangsvollstreckung ihrer Ansprüche.  Obwohl er sich das also definitiv nicht leisten kann, lässt Lorenz sich an einem verregneten Märztag mit dem Taxi von seiner Vierzimmer-Altbauwohnung in der Mondscheingasse „im hippen und kulturellen Zentrum des Siebten Bezirks“ nach Liesing, einer Mischung aus Wohnghetto und Industriezone, an der Demarkationslinie zu Niederösterreich“ chauffieren, zur Genossenschaftswohnung seiner Tante Hedi in der Dionys-Schönecker-Gasse, wohin er sich zum Abendessen eingeladen hat. Neben seiner Tante Hedi und deren Lebensgefährten Willi warten dort auch Wetti (Barbara) und Mirl (Maria-Josefa), die zwei anderen Schwestern seines Vater. Die Prischingers stammen aus einem kleinen Dorf im Waldviertel, Onkel Willi kommt ursprünglich aus Montenegro, und sein Herz hängt Titos Jugoslawien immer noch nach.

Im Laufe der nächsten Wochen wird Lorenz‘ Situation immer aussichtsloser, da helfen auch die Kochkünste seiner Tanten und Onkel Willis Ratschläge nichts, doch dann passiert etwas, womit niemand gerechnet hat und was die ganze Familie im wahrsten Sinn des Wortes in Bewegung bringt. Und die Geister der Vergangenheit weckt.

Meine Meinung: Es gibt also doch diese Manen. Nicht alles beendet der Tod, sondern ein blasser Schatten entflieht“ Dieses Zitat des römischen Dichters Properz ist der von Cornelius Obonya gelesenen Hörbuchfassung von Vea Kaisers drittem Roman vorangestellt, und die Manen, laut Duden die guten Geister eines Toten, machen Lorenz‘ Familie das Leben nicht gerade leichter. Während sich Lorenz mit seinen Tanten und dem Onkel im roten Fiat Panda auf eine 13-stündige Fahrt macht, deren Schilderung sich am besten als literarisches Roadmovie mit Slapstick-Elementen beschreiben lässt, widmen sich die Kapitel dazwischen in Rückblenden den sehr unterschiedlichen Lebensgeschichten der Prischinger–Schwestern samt Anhang. Wie der Untertitel erwarten lässt, haben die Verstorbenen großen Einfluss auf die von den Lebenden getroffenen Entscheidungen, und die Autorin, die selbst Altgriechisch und Latein studiert hat, lässt sich dabei von der griechischen und römischen Mythologie inspirieren und den verbummelten Altphilologen Lorenz die Analogien erläutern.  Die Schrulligkeit und verbale Schlagfertigkeit der handelnden Personen macht aus dem Roman eine humorvolle Betrachtung der Lebenswirklichkeiten von zwei Generationen: der Kriegsgeneration, die den Sachzwängen eisernes Durchhaltevermögen entgegensetzen musste, um Selbstbestimmung zu erlangen, und ihren Töchtern und Söhnen, die es mit den lebenden und verblichenen Vorfahren auch nicht immer einfach, aber viel mehr materiellen Spielraum und Freiheit in ihren Entscheidungen haben. 

Vea Kaiser, Rückwärtswalzer oder die Manen der Familie Prischinger, als Hörbuch gelesen von Cornelius Obonya, Argon Hörbuch 2019, 13 h 39 min. 

Bookster HRO geht hart mit dem Roman und der Autorin ins Gericht, viel besser gefallen hat es letteratura, und lobende Worte findet auch buchrevier.

weg

Vietnam ist total angesagt. Ich war im Februar dort, eine meiner Kolleginnen bereist das Land gerade jetzt und meine beste Freundin hat schon gebucht. Somit scheint es fast logisch, dass Doris Knecht, eine Autorin, die mich schon in der Vergangenheit immer wieder damit  verblüfft hat, wie genau sie aktuellen gesellschaftlichen Strömungen nachspüren kann, die Protagonisten ihres neuesten Romans in das Land in Südostasien schickt. In weg machen sich Georg und Heidi also dorthin auf, um ihre gemeinsame Tochter Charlotte zu suchen. Lotte ist 23, psychisch krank und das Einzige, was die beiden bis zu ihrem Wiedersehen in Saigon gemeinsam haben. Sehr bald nach der ungeplanten Schwangerschaft war Heidi, Austauschstudentin in Wien, wieder nach Deutschland zurückgekehrt, hatte geheiratet und mit neuem Mann und zweitem Kind ein Leben im Reihenhausidyll in der Nähe von Frankfurt begonnen, während der Bummelstudent Georg gemeinsam mit seiner neuen Partnerin Lea im Waldviertel den Gasthof seiner Eltern übernommen hatte. Lotte hatte er immer nur in den Ferien einige Wochen gesehen, während Heidi das ganze Jahr über darauf konzentriert war, alles richtig zu machen, um die psychische Erkrankung ihrer Tochter in den Griff zu bekommen. Das schien ihr auch gelungen zu sein, bis Lotte plötzlich aus ihrer WG in Berlin abgehauen war. Das Verschwinden ihrer Tochter beschert Heidi die erste Flugreise ihres Lebens, Georg eine Trennung von seinen geliebten Kindern, seiner geliebten Frau und seiner weniger geliebten Mutter und beiden eine Reise durch Südvietnam und Kambodscha, auf der für die Touristenattraktionen keine Zeit bleibt, die aber zumindest kulinarisch einiges zu bieten hat und auch das Familiensystem neu ordnet.

_MG_9047Meine Meinung: Doris Knechts Roman ist kein Reisebericht, aber trotzdem nimmt die Schilderung der Gegebenheiten in Vietnam und Kambodscha in der Geschichte viel Raum ein und deckt sich, was Vietnam betrifft, mit meinen Beobachtungen. Einer der ersten Eindrücke ist für Reisende meist die unüberschaubare Flut an Mopeds, auf denen sich die Vietnamesen und einige wagemutige Touristen ihren Weg durch die Städte und über Land bahnen, und zwar nicht allein oder zu zweit, sondern auch mal zu viert oder zu fünft, wahlweise auch mit Hühnerkäfigen oder Bambusstangen im Gepäck. _MG_7101Und Mopeds sind der rote Faden, der sich durch die Geschichte zieht. Auf einem Moped waren Heidi und Georg auf den Kahlenberg bei Wien gedüst, um dort in einer warmen Sommernacht Charlotte zu zeugen. Jetzt steht das Moped in desolatem Zustand in Georgs Schuppen. Mopeds sind das Erste, was Heidi nach ihrer Ankunft in Saigon in die Augen springt, und das Erste, was sie in Angst und Schrecken versetzt. Aber sie muss sich dieser Angst stellen, denn um auf die andere Straßenseite zu gelangen, muss sie sich ihren Weg durch die Mopeds bahnen, und um Charlotte zu finden, muss sie wieder hinter Georg auf dem Sozius Platz nehmen. 

Nachdem ich von Doris Knechts Wald restlos begeistert war, fand ich Besser und Alles über Beziehungen dann immer noch gut, aber nicht mehr ganz so überwältigend. Mit weg hat die Autorin mir jetzt aber bewiesen, dass sie immer noch sehr genau auf unser mitteleuropäisches Wohlstandsleben und unsere Erste-Welt-Probleme schauen kann, ohne dabei zu sehr auf den Unterhaltungswert zu schielen. Sie  wirft Schlaglichter auf einzelne Szenen und Entwicklungen, die Heidi und Georg schließlich auf eine Trauminsel in Kambodscha führen, und verzichtet darauf, jeden einzelnen Faden der Geschichte bis zum Ende zu erzählen. Die nächste Etappe wird aber möglicherweise auf einem Moped zurückgelegt. 

Im Interview erzählt die Autorin, ein zentrales Thema sei für sie die durch Marihuanakonsum ausgelöste psychische Erkrankung von Charlotte gewesen. Dieser Zusammenhang kommt in der Geschichte nicht so deutlich zum Ausdruck, wie das notwendig wäre, um eindringlich davor zu warnen, der Input hat mir aber genügt, um meine eher liberale Einstellung zu diesem Thema ernsthaft zu überdenken.

Weitere Besprechungen des Romans gibt es bei letteratura, bei masuko13 und bei meineliteraturwelt.

Doris Knecht, weg. Rowohlt Berlin 2019. 304 Seiten. Ich danke dem Rowohlt-Verlag herzlich für das bereitgestellte Rezensionsexemplar!

Lise Meitner – Pionierin des Atomzeitalters

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Vor kurzem stellte das Autor*innenpaar David Rennert und Tanja Traxler in der Buchhandlung Leo in Wien Lise Meitner – Pionierin des Atomzeitalters vor. Die Veranstaltung war sehr gut besucht, schließlich ist die Biographie der österreichischen Physikerin das Wissenschaftsbuch des Jahres 2019. Ehrengast war Monica Frisch, Lise Meitners Großnichte. Deren Vater, Otto Robert Frisch, war nicht nur der Neffe, sondern auch ein enger Kollege der 1878 in Wien geborenen Wissenschaftlerin.  Die jüdische Familie musste vor den Nazis fliehen, daher wurde Monica Frisch  auch im Exil geboren und lebt bis heute in Großbritannien. Der Besuch in der Heimat ihrer Eltern ist ihr erster seit 50 Jahren.

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Monica Frisch (r.) und Ulla Remmer von der Buchhandlung Leo

Lise Meitners Flucht vor den Nazis nimmt in ihrer Biographie natürlich breiten Raum ein und hatte auch wesentlichen Einfluss auf ihre Karriere, David Rennert und Tanja Traxler gingen in ihrer Präsentation und Lesung aber vor allem auf die Schwierigkeiten ein, die Lise Meitner überwinden musste, um als Frau einen Platz in der Welt der Wissenschaft zu finden. Der Weg war von Anfang an steinig. Die Matura, Voraussetzung für die Zulassung zu einem Hochschulstudium, darf sie als Mädchen nur auf dem Weg der Externistenprüfung ablegen, erst dann kann sie als eine der ersten Frauen 1901 an der Universität Wien ihr Physikstudium an aufnehmen. 1907 geht sie nach Berlin, um ihre akademische Laufbahn fortzusetzen,  sich nicht darum kümmernd, dass Frauen in der Wissenschaft dort noch weniger gern gesehen sind als in Wien. Trotzdem kann sie sich durchsetzen und macht gemeinsam mit dem Chemiker Otto Hahn, mit dem sie in Berlin von Anfang an zusammenarbeitet, zahlreiche Entdeckungen, die unser Verständnis der Welt für immer verändert haben. Die jahrzehntelange Zusammenarbeit mündet schließlich in der Entdeckung der Kernspaltung.  Die Liste der Persönlichkeiten, mit denen sich Lise Meitner ausgetauscht und mit denen sie im Laufe ihrer Karriere gemeinsam geforscht hat, liest sich wie ein Who-is-Who der Welt der Wissenschaft des 20. Jahrhunderts: Neben Otto Hahn und Otto Robert Frisch arbeitet sie unter anderem mit Ludwig Boltzmann, Albert Einstein, Max Planck, Niels Bohr, Enrico Fermi und Erwin Schrödinger zusammen. Als Hahn 1945 den Nobelpreis enthält, lebt Lise Meitner in Schweden im Exil und geht vollkommen zu Unrecht leer aus. Einerseits ist sie persönlich enttäuscht darüber, dass Hahn ihren Beitrag in seiner Dankesrede nicht hinreichend würdigt, andererseits übt sie sich ihr ganzes Leben lang in zurückhaltender Bescheidenheit – ein typisches Frauenschicksal nicht nur der damaligen Zeit.

Meine Meinung: Eine Biographie als Wissenschaftsbuch des Jahres? Das erschien mir zunächst etwas überraschend, aber das Autor*innenduo Renner/Traxler hat es zustande gebracht, beides zu vereinen: in vier Teilen (Aufbereitung – Strahlung – Kernspaltung – Spaltprodukte) zeichnen sie den persönlichen Werdegang einer Forscherin nach und beschreiben parallel dazu die wissenschaftlichen Fortschritte, an denen diese beteiligt ist, auf eine Weise, die die Geschichte der Entdeckung der Kernspaltung auch für Laien verständlich macht. Die Kombination Politikwissenschafter/Historiker (David Rennert) und Physikerin/Philosophin (Tanja Traxler) bringt ein Buch zustande, dessen leichte Lesbarkeit nicht auf Kosten des Informationsgehalts geht. Ein besonders erhellendes Kapitel beleuchtet dabei die Frage, wie es passieren konnte, dass eine Frau, die insgesamt 48mal für den Nobelpreis nominiert war, diesen nie bekommen hat. 

Auf Interpretationen und Wertungen verzichten die Autor*innen weitgehend, sie lassen Fakten und Aussagen der Wissenschafterin sprechen. Ihre Recherchen beruhen dabei vor allem auf der genauen Auswertung von Lise Meitners persönlicher Korrespondenz. Das lässt hinter der engagierten und erfolgreichen Forscherin auch den Menschen Lise Meitner aufblitzen, eine Frau, die ihren Weg konsequent ging und sich ihre Integrität bewahren konnte, aber nicht ganz frei von Widersprüchen war.  Die Frage, inwieweit sie als Spitzenwissenschafterin die Verpflichtung hatte oder gehabt hätte, sich für andere Frauen in ihrem Metier einzusetzen, wird im Buch nur kurz angesprochen, bei der Präsentation vom Publikum aber heiß diskutiert. 

Dieser Bericht ist ein Beitrag zu #WomeninScience, einer Serie von bingereader.

David Rennert und Tanja Traxler, Lise Meitner – Pionierin des Atomzeitalters. Residenz Verlag 2018. 220 Seiten. Ich danke dem Residenz Verlag herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

Österreichischer Buchpreis: Alles was glänzt

ÖBP_Logo_300dpiSeit 2016 hat Österreich endlich einen eigenen Staatspreis für Literatur. Der Österreichische Buchpreis wird in zwei Kategorien vergeben: Neben dem Hauptpreis gibt es auch einen Debütpreis.  Anders als bei anderen Preisen dieser Art kann sich die Geschlechterbilanz durchaus sehen lassen: 5 der 6 bisherigen Auszeichnungen gingen an Autorinnen. Die Preisträger*innen werden jedes Jahr am Vorabend der Buch Wien bekanntgegeben und dann im Rahmen der Buchmesse präsentiert.  Heuer ging der Hauptpreis an Daniel Wisser für seinen Roman Königin der Berge, den Debütpreis erhielt Marie Gamillscheg für Alles was glänzt.Weiterlesen »

Autorinnen auf der Buch Wien 2018

Meine Vorstellung vom Schlaraffenland: eine Messehalle voller Bücher, Autorinnen, die bereitwillig über ihre Werke und deren Entstehungsgeschichte Auskunft geben und vier Tage Zeit, um das alles in Ruhe zu genießen. Meine Realität: fast damit identisch, nur leider keine vier Tage, sondern gerade mal ein halber und ein ganzer Nachmittag für das riesige Angebot. Zum Glück fiel einer dieser Nachmittage auf den Sonntag, und zum Glück war da die Dichte an interessanten Autorinnen besonders groß und das Angebot sehr vielfältig.

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Birgit Fenderl und Anneliese Rohrer im Gespräch mit Juliane Nagiller

Gerade noch rechtzeitig schaffte ich es zur Präsentation von Die Mutter, die ich sein wollte. Die Tochter, die ich bin. Darin beschäftigen sich Anneliese Rohrer und Birgit Fenderl mit der „Mutter aller Beziehungen“ – der Beziehung zwischen Mutter und Tochter. Anhand von prominenten und weniger prominenten Beispielen machen sich die beiden Journalistinnen, selbst Mütter von Töchtern, auf die Suche nach den Prägungen, Erziehungsmustern und Rollenbildern im Leben von Frauen, die im besten Fall den Müttern gutgeschrieben und im schlechtesten Fall diesen angelastet werden. Ein großes Thema auch zwischen Müttern und Töchtern ist die Frage, wie man Familie und Karriere unter einen Hut bringen kann. Auch die für das Buch ebenfalls interviewte deutsche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen war nicht davor gefeit, sich gegen Kritik aus der eigenen Familie zur Wehr setzen zu müssen. „Das Schlimmste ist dabei das schlechte Gewissen“, zitiert  Rohrer die Politikerin. Eine detaillierte Besprechung der Betrachtungen folgt demnächst auf diesem Blog.

Hager
Juliane Nagiller im Gespräch mit Angelika Hager

Die nächste Präsentation, die ich mir im Programm angestrichen hatte, bildete so etwas wie einen Kontrastpunkt zur ersten. Nicht Frauen, sondern Männer waren die Gesprächspartner, die Angelika Hager für Kerls! – Eine Safari durch die männliche Psyche interviewt hat. Angeregt durch die #MeToo-Debatte zeigt sie, weshalb Männer wie ticken und wie Frauen mit den dabei entstehenden Geräuschen umgehen. Wer die Polly Adler-Kolumnen der Journalistin kennt, wird nicht verwundert sein, dass sie dem Thema auch humorvolle Seiten abgewinnen kann. Das klingt auch an, wenn Hager erzählt, man habe ihr bei ihrer Recherche von Frauen berichtet, die ihre Männer bei der Paartherapie „reparieren lassen wollen“.

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Juliane Nagiller im Gespräch mit Elena Uhlig

Auch beim nächsten Programmpunkt auf meiner Liste kommt der Humor nicht zu kurz. Die Schauspielerin Elena Uhlig berichtet in Qualle vor Malle davon, wie es zugeht, wenn sie mit ihrer Familie Urlaub in einem Familienhotel auf Mallorca macht. Ihre Familie, dazu gehören ihr Ehemann, der Schauspieler Fritz Karl, und die mittlerweile vier gemeinsamen Kinder. Das Buch enthielte zwar die eine oder andere Verdichtung, räumt die Autorin ein, basiere aber auf realen Erlebnissen. Die Angestellten im Reisebüro würden manchmal glauben, sie seien unfreiwillig Teil von Verstehen Sie Spaß? geworden, wenn die Familie Uhlig/Karl auftaucht, um einen Urlaub zu buchen, erzählt sie, und sie müsse sich auch damit auseinandersetzen, dass superschlanke Flugbegleiterinnen ihren Mann anflirten und sie daneben vollkommen ignorieren.

Stöckel
Claudia Stöckel im Gespräch mit Judith Hoffmann

Wieder auf der Hauptbühne tritt eine Autorin auf, die mit literarischer Verdichtung gar nichts am Hut hat, sondern immer bemüht ist, möglichst nahe an die Realität heranzukommen. In Interview mit dem Leben liefert Claudia Stöckel Hintergrundinformationen zu ihren sonntäglichen Interviews im Frühstück bei mir. Wer die Sendung kennt, weiß, dass sie ihren Interviewpartner*innen meist deutlich mehr als nur die PR-tauglichen Statements entlocken kann. Im Buch und im Gespräch mit Judith Hoffmann erzählt sie davon, wie ihr das gelingt, aber auch von jenen Fällen, in denen Interviews daneben gingen oder sogar abgebrochen wurden.

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Doris Priesching und Ursula Strauss

Die nächste Autorin war selbst schon Gast bei Claudia Stöckel. Ursula Strauss gehört zu meinen Lieblingsschauspielerinnen, daher war die Präsentation ihres Buches Warum ich nicht mehr fliegen kann und wie ich gegen Zwerge kämpfte für mich so etwas wie ein Pflichttermin. Ihre Co-Autorin Doris Priesching hatte die Idee, Ursula Strauss ausgehend von Familienfotos über ihr Leben erzählen zu lassen.  Warum sie nicht mehr fliegen kann und wie sie gegen Zwerge kämpfte erfuhr ich bei der Präsentation der Erinnerungen zwar nicht, dafür aber viel über ihren Umgang mit ihrem Beruf und dem Interesse der Öffentlichkeit und der Medien an ihrer Person. Es sei beim Schreiben manchmal schwierig gewesen, die Grenzen der Familie nicht zu verletzen, aber für sich selbst scheint es Ursula Strauss nicht schwer zu fallen, eine klare Trennlinie zu ziehen: Wenn es darum geht, Dinge über sich zu erzählen, unterscheidet sie zwischen Persönlichem und Privatem. Die Beziehung sei außen vor, das gehört zum Privaten, sie findet jedoch nichts dabei, über Persönliches wie Selbstzweifel und Gefühle zu sprechen. „Schmerz, Freude, Humor, Leid – das ist bei mir genau wie bei allen anderen.“ Manchmal hadert sie damit, dank ihres Bekanntheitsgrades in der Öffentlichkeit sehr rasch wahrgenommen zu werden, sie habe aber das Glück, da langsam hineingewachsen zu sein und von ihrer Familie immer wieder auf den Boden zurückgeholt zu werden. Der Beruf erfordere hohe Präzision und sei auch sonst sehr fordernd. „Du musst kerngesund und absolut schmerzfrei sein“, habe sie zu Beginn ihrer Tätigkeit gehört, und das kann sie bestätigen. „Man braucht starke Nerven.“

Dine Petrik
Esther Capo im Gespräch mit Dine Petrik

Eher durch Zufall kann ich dann dazu, als Dine Petrik aus  Stahlrosen zur Nacht  las, einem Titel, den sie als Strophen eines Romans bezeichnet. Darin setzt sie sich mit den harten Erfahrungen als Mädchen auf dem Dorf auseinander. Für die mehrfach ausgezeichnete Autorin ist das Schreiben auch ein Mittel, mehr Klarheit über sich selbst zu erlangen, und aus dem, was sie über ihre Kindheit im Mittelburgenland der Nachkriegszeit erzählt, klingt ein unnachgiebiges Sich-nicht-unterkriegen-lassen heraus, das damals begann und bis heute anhält.

Alex Beer BuchWien
Alex Beer im Gespräch mit Judith Hoffmann

Die letzte Autorin auf meiner Liste war Alex Beer, die ich schon vor einigen Monaten bei der Präsentation ihres Roman Die rote Frau kennengelernt hatte. Sie erzählt über die intensive Recherche für ihre in den frühen Zwanzigerjahren in Wien spielenden Kriminalgeschichten um den Ermittler August Emmerich. Die Ergebnisse dieser Recherche finden auch Eingang in die Handlung. Als Beispiel nennt sie Emmerichs Heroinsucht, die in Teil 1, Der zweite Reiter, ihren Anfang nimmt und die er in Teil 2, Die rote Frau, mit Alkohol bekämpft. Diese Abhängigkeit habe sie ihm verpasst, nachdem sie herausgefunden hatte, dass Heroin zur damaligen Zeit in Tablettenform legal erhältlich war. Auf die Frage, warum sie sich einen solchen Aufwand antue, antwortet Beer: „Wenn ich es gewusst hätte, hätte ich es nicht gemacht. Aber das hab ich mir eingebrockt, jetzt muss ich es auslöffeln.“ Sie löffelt offenbar fleißig, denn im Mai 2019 erscheint der dritte Band der Serie.

 

Version 2
Daniel Wisser und Marie Gamillscheg im Gespräch mit Katja Gasser

Nicht erst am Sonntag, sondern schon am Donnerstag fand ein Interview mit den beiden Preisträger*innen des diesjährigen Österreichischen Buchpreises statt. Ich hatte ja jenseits jeder weiblichen Solidarität Arno Geiger die Daumen gedrückt, von dessen Roman Unter der Drachenwand ich restlos begeistert war, aber die Jury entschied sich für Königin der Berge von Daniel Wisser. Seine Hauptfigur  Herr Turin wartet in einem Pflegeheim auf den richtigen Moment und eine günstige Gelegenheit, seinem von Multipler Sklerose bestimmten Leben ein Ende zu setzen. Der Debütpreis ging dann aber an eine Frau: Marie Gamillscheg wurde für Alles was glänzt ausgezeichnet. Darin wirft sie einen sehr genauen Blick auf ein Dorf, das immer noch irgendwie vom Bergbau dominiert wird, obwohl die Förderung längst eingestellt wurde.  Auch diesen Titel werde ich demnächst hier besprechen, daher sei vorläufig nicht mehr verraten.

Natürlich hätte es noch Vieles zu entdecken gegeben, aber wie gesagt: ein halber und ein ganzer Nachmittag. Da blieb gerade noch Zeit dafür, einen Blick auf meine besondere Leseleidenschaft zu werfen: Krimis. Den Beitrag dazu findet Ihr auf www.britlitscout.com.

Titelbild (C) LCM Foto Richard Schuster

 

..als ob sie Emma hießen

9783701734580In Österreich gezeugt, ins Deutsche Reich zur Welt gekommen‘, so kommentiert  Emmy Werner das Datum ihrer Geburt, den 13. September 1938. Am Donnerstag hat die Theatermacherin in der Wiener Buchhandlung Leo, einer ihrer Lieblingsbuchhandlungen, wie sie sagt, ihr Buch …als ob sie Emma hießen vorgestellt. Nein, keine Autobiographie, kein Theaterbuch, kein Skandalbuch, eine Nachbetrachtung. Diese basiere auf einem 600-Seiten-Manuskript, das sie ursprünglich nur für ihre Familie geschrieben habe. Der Titel leitet sich von Christian Morgensterns Möwenlied ab: ‚Die Möwen sehen alle aus, als ob sie Emma hießen‘ lauten dessen erste Zeilen. Im Nachhinein ist sie mit dieser Wahl nicht zufrieden, weil das Gedicht heute weniger bekannt sei als sie gedacht habe. Ich habe es auch nicht gekannt. Emmy Werner hingegen ist mir seit vielen Jahren ein Begriff. Zunächst spielte sie am Theater der Jugend, für das auch ich während der Schulzeit ein Abo hatte, dann im Theater der Courage, das sie gemeinsam mit Stella Kadmon kurze Zeit leitete. Anfang der 1980er-Jahre gründete sie ‚zum Entsetzen aller‚ das Theater in der Drachengasse. ‚Diese Zeit war der Horror und gleichzeitig aber auch wunderschön.‘  Später war sie die erste Frau an der Spitze eines der großen Wiener Theater: Von 1988 bis 2005 hatte sie die künstlerische Leitung des Volkstheaters inne, wo sie auch als Regisseurin tätig war, und wurde damit, da das Theater im 7. Wiener Gemeindebezirk Neubau liegt, ‚die Neubauerin vom Brillantengrund.‘

Emmy Werner stehendNach einer Augen-OP kann Emmy Werner nur kurze Stücke lesen und wird daher bei der Lesung von ihrer Enkeltochter Anna unterstützt.  Diese bewältigt die Aufgabe souverän, was vermutlich nicht ganz einfach ist, denn die Oma kann das Regieführen nicht lassen, unterbricht und korrigiert gelegentlich liebevoll, aber bestimmt. Von Anna ist auch gleich zu Beginn des Buches die Rede. Für sie hatte die Großmutter ihre Stöckelschuhe aufgehoben, nachdem sie sie ‚nicht mehr er-tragen‚ (S. 11) konnte, nur leider trägt Anna ihre Schuhe 2 Nummern größer – und zumindest an diesem Abend auch keine High Heels, sondern Schnürstiefel.  Mit Augenzwinkern teilt Emmy Werner ihre Erfahrungen mit dem Älterwerden, bevor sie von ihren ersten Lebensjahren in Wien vorliest und berichtet. Sie selbst habe im Krieg keine Angst gehabt, manchmal sogar zum Spaß den ‚Kuckuck‘, den Warnton für Bombenangriffe im Radio, nachgemacht, aber sie habe die Angst der anderen gespürt. Ihre Mutter etwa habe eine Zwangsneurose entwickelt und sich am ganzen Körper waschen müssen, bevor sie in den Luftschutzkeller gehen konnte. Die Familie hat Glück gehabt: Das Wohnhaus in der Nähe der Volksoper blieb von den Bomben verschont, sowohl der Vater als auch der ältere Bruder kamen unverletzt aus dem Krieg zurück. Aber bis heute sind Sirenen und Flugzeuge für Emmy Werner etwas Schlimmes.

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Meine Meinung: Ich konnte die Nachbetrachtung schon vorab lesen und möchte mich bei dieser Gelegenheit beim Residenz Verlag herzlich für das bereitgestellte Rezensionsexemplar bedanken. Zentrale Themen in Werners Leben wie  in ihrem Buch sind Eigenständigkeit und das Alleinsein.  Nach der Trennung in Freundschaft am Ende einer sehr früh eingegangenen Ehe habe sie sich ganz bewusst dafür entschieden, mit ihrem Sohn alleine zu leben, und ihre späteren Lebenspartner hätten keinesfalls bei ihr einziehen dürfen. Aber natürlich sei ihr klar, dass es einen Unterschied mache, ob man freiwillig oder unfreiwillig alleine lebe. Selbstbestimmt müsse es in jedem Fall sein, und empört kritisiert sie die Stimmen, die die Meinung vertreten, Frauenhäuser seien ein Angriff auf die Familie. 

Emmy Werner erzählt in der dritten Person über das Leben von E. Anders sei ihr das gar nicht möglich gewesen, erklärt sie. In den ersten Kapiteln fand ich das etwas befremdlich, denn da ist E. ein Kind, später ein Teenager (Backfisch nannte man das damals), und auf mich wirkte die Erzählweise ein bisschen so, als würde ich einen Bericht vom Jugendamt oder aus einer Polizeiakte lesen. Aber weiter hinten, wenn es um die junge Ehe und um die Karriere geht, erreicht Emmy Werner das, was sie vermutlich beabsichtigt hat: die mit objektiver Distanz gelungene Schilderung eines Frauenlebens, ihres eigenen Lebens, vor dem Hintergrund der gewaltigen gesellschaftlichen Veränderungen, die sie miterlebt hat. Und da sie weitgehend darauf verzichtet, die teilweise prominenten Namen der Personen in ihrem Umfeld zu nennen, bleibt der Blick beim Lesen auf sie und ihre persönliche und berufliche Entwicklung fokussiert. Keine Lebensbeichte, keine Skandalgeschichten, keine Indiskretionen,  stattdessen der eine oder andere humorvolle, aber anonyme Hinweis auf menschliche Schwächen und Marotten. Die Erfolgsstory einer Frau mit Prinzipien in einer spannenden Zeit. 

Emmy Werner, … als ob sie Emma hießen. Eine Nachbetrachtung. Residenz Verlag Salzburg – Wien 2018. 319 Seiten. 

 

Österreichischer Buchpreis – Die Longlist

Heute wurde das Ergebnis der ersten Runde des Österreichischen Buchpreises 2018 veröffentlicht. Von insgesamt 150 eingereichten Titeln wurden 10 für die Longlist 2018 und 3 für die Shortlist Debüt ausgewählt. Aus weiblicher Sicht ist die Liste etwas enttäuschend, da unter den Nominierten insgesamt nur fünf Autorinnen  sind. Das heißt aber nicht, dass die Liste nicht durchwegs interessant wäre. Hier alle nominierten Titel:

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Mareike Fallwickl: Dunkelgrün fast schwarz (Frankfurter Verlagsanstalt)
Milena Michiko Flašar: Herr Katō spielt Familie (Verlag Klaus Wagenbach)
Arno Geiger: Unter der Drachenwand (Carl Hanser Verlag)
Gerhard Jäger: All die Nacht über uns (Picus Verlag)
Hanno Millesi: Die vier Weltteile (Edition Atelier)
Margit Schreiner: Kein Platz mehr (Schöffling & Co.)
Robert Seethaler: Das Feld (Hanser Berlin)
Heinrich Steinfest: Die Büglerin (Piper Verlag)
Josef Winkler: Laß dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe (Suhrkamp)
Daniel Wisser: Königin der Berge (Jung und Jung)

Ich kenne bisher nur Unter der Drachenwand, die Geschichte einer Beziehung zwischen einem Soldaten auf Genesungsurlaub kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs und einer Deutschen, die es wie ihn an den Mondsee verschlagen hat. Für mich einer der besten Romane, die ich je gelesen habe, daher naturgemäß ein Anwärter auf den Sieg.

Nicht allzu weit vom Mondsee entfernt, nämlich in Hallein, spielt Dunkelgrün fast schwarz. ‚Ein großartiges Buch‘ nennt Andrea von Lesen… in vollen Zügen Mareike Fallwickels Debütroman und auch Bookster HRO zeigt sich begeistert.

Auf dem grauen Sofa liefert Claudia eine ausführliche Besprechung von Milena Michiko Flašars Herr Katō spielt Familie, der eher deprimierenden Geschichte eines Mannes, der sich auch nach der Pensionierung seine Träume nicht verwirklichen kann.

Die dritte Autorin, die es auf die Longlist geschafft hat, ist Margit Schreiner mit Kein Platz mehr. Ein Roman, dessen Thema der Mangel an Platz in unserer Wohlstandsgesellschaft ist. Ich denke, den werde ich auslassen.

Neben der Longlist wurde heute auch die Shortlist für die Kategorie Debütroman veröffentlicht. Erfreulicherweise gehen hier zwei der drei Nominierungen an Frauen:

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Ljuba Arnautović: Im Verborgenen (Picus Verlag)
David Fuchs: Bevor wir verschwinden (Haymon Verlag)
Marie Gamillscheg: Alles was glänzt (Luchterhand Literaturverlag)

Bei Ljuba Arnautović sticht zunächst einmal die Biographie hervor: 1954 in Russland geboren, aufgewachsen zwischen österreichischem Vater und russischer Mutter, Leben in Wien, München und Moskau, Tätigkeit als Übersetzerin, Journalistin und Autorin. Das Leben zwischen zwei Welten in politisch unruhigen Zeiten spiegelt sich auch in ihrem Debütroman wieder, der von Genovefa erzählt: Sie versteckt 1944 in ihrer Wiener Wohnung Menschen, während sich ihre Söhne in der UdSSR und ihr Mann in Australien befinden.

Marie Gamillscheg erzählt in Alles was glänzt vom Leben in einem Dorf, in dessen Bergwerksstollen es rumort. Klingt interessant genug, um es zumindest auf die Wunschliste zu setzen.