Nora Ephrons Sodbrennen

heartburnAuch im Bereich ChickLit gibt es Klassiker, und einen solchen möchte ich Euch heute vorstellen. 1983 veröffentlichte die amerikanische  Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Regisseurin Nora Ephron den Roman Heartburn, der in deutscher Übersetzung unter dem Titel Sodbrennen oder Quetschkartoffeln gegen Trübsinn erschien. Ephron erzählt darin die Geschichte der New Yorker Kochbuchautorin Rachel, die im siebten Monat schwanger dahinter kommt, dass ihr Mann Mark, ein Washingtoner Journalist, sie mit einer gemeinsamen Freundin, Thelma, betrügt, die ebenfalls verheiratet ist und einen Hals wie eine Giraffe und riesige Füße hat. Rachel schnappt daraufhin den gemeinsamen Sohn und zieht zu ihrem  Vater, wünscht sich aber nichts sehnlicher, als dass Mark seinen Fehler einsieht und sie ihre Ehe retten kann.  Sowohl der Roman als auch die Verfilmung mit Meryl Streep und Jack Nicholson war ein Riesenerfolg. Für Ephron nur einer unter vielen: Sie schrieb auch das Drehbuch zu Harry & Sally, Schlaflos in Seattle und Silkwood, einem Film über eine Whistleblowerin in der Atomindustrie, für den sie eine Oscar-Nominierung erhielt. Heartburn nimmt trotzdem einen ganz besonderen Platz im Leben der 2012 verstorbenen Autorin ein, denn sie erzählt darin ihre eigene Geschichte. Von 1976 bis 1980 war sie mit dem Watergate-Aufdecker Carl Bernstein verheiratet, und während ihrer zweiten Schwangerschaft im Jahr 1979 fand sie heraus, dass ihr Mann mit der Journalistin Margaret Jay, einer gemeinsamen Freundin, eine Affäre hatte.

So viele Jahre nach dem Erscheinen an Sodbrennen erinnert hat mich ein Interview mit Dolly Alderton, einer der Jurorinnen des Women’s Prize for Fiction 2019. Dessen Longlist wurde übrigens am vergangenen Montag veröffentlicht und dankenswerterweise auf schiefgelesen umgehend kommentiert. 

Meine Meinung: Mit trockenem Humor und einem Blick dafür, wie die Dinge wirklich stehen, berichtet die Ich-Erzählerin von ihrer Beziehung zu Mark und ihrer neuen Rolle als betrogene Ehefrau, stellt Überlegungen dazu an, was ihren Mann zum Seitensprung veranlasst haben könnte, und liefert Beobachtungen nicht nur zum Leben als Ehefrau und Mutter, sondern zu  Beziehungen im Allgemeinen und zur Position als Frau in der Welt des politischen Journalismus in Washington, die auch noch 35 Jahre später gewisse Gültigkeit haben. Die Situation von Frauen hat sich seither weniger geändert als uns lieb ist, so viel steht fest.

Während das von Meryl Streep im Original präsentierte Hörbuch lief, hatte ich keine Ahnung, dass Nora Ephron hier einen autobiographischen Roman geschrieben hat,  ich amüsierte mich einfach über die gekonnte Darbietung. Nach der Recherche zur Autorin finde ich es bewundernswert, wie diese die Geschichte so vergnüglich-nüchtern und nah an der Realität erzählen konnte, und dabei hat sich der Unterhaltungsfaktor im Nachhinein noch erhöht. Es ist ihr souverän und ganz ohne selbstmitleidiges Wehklagen gelungen, sich mit spitzer Feder an ihrem Ex zu rächen. Carl Bernstein, nicht nur für mich eine Ikone des investigativen Journalismus, drohte nach Erscheinen des Romans mit Klage, ließ das dann aber doch lieber bleiben. Er wusste, dass mit seiner Frau nicht zu spaßen war, wenn sie sich im Recht fühlte. Nachdem sie in den 1960er-Jahren trotz adäquater Ausbildung bei Newsweek nicht als Journalistin, sondern nur als Sekretärin tätig sein durfte, hatte sie die Zeitschrift gemeinsam mit anderen Frauen wegen Diskriminierung geklagt und den Prozess gewonnen. 

Nora Ephron, Heartburn. Ungekürztes Audiobook gelesen von Meryl Streep. Random House Audio 2013, 5 h 30 min.

Als Paperback neu aufgelegt von Virago Modern Classics 2018 (Band 19) mit einer Einleitung von Delia Ephron. 

In deutscher Übersetzung: Sodbrennen oder Quetschkartoffeln gegen Trübsinn. Knaur Verlag 1984, 236 Seiten. Nur antiquarisch erhältlich. 

Scarlett & Rhett

Vom Winde verweht stand bis vor kurzem ganz weit unten auf meiner Leseliste. Ein 1000-Seiten-Schinken mit einer durch die Verfilmung hinreichend bekannten Lovestory in einer durch Rassismus und lächerliche Moralvorstellungen geprägten High Society? – Nein danke! Dass der Roman 1937 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde und ich ihn auf Platz 21 der 100-Bücher-die-man-unbedingt-lesen-muss-Liste der BBC  entdeckte, von denen viele ganz bestimmt noch in diesem Blog behandelt werden, hat mich dann doch neugierig gemacht, also besorgte ich mir das englische Original.

Die erste positive Überraschung war das Vorwort von Pat Conroy, dem Autor von Herr der Gezeiten, einem meiner Lieblingsbücher. Nicht ohne Ironie nennt Conroy Margaret Mitchells Roman die „Illias“ der Amerikanischen Südstaaten, einen Gesang auf eine untergegangene Welt, und den letzten posthumen Sieg der Konföderierten.Weiterlesen »

Dublin Girl

far from over

Der Singer-Songwriter Ed Sheeran besingt ein Galway Girl, also ein Mädchen aus dem pittoresken Hafenstädtchen an Irlands Westküste, dem er, wie er uns im Text seines Liedes wissen lässt, in Dublins schicker Grafton Street begegnet ist. In eben dieser Grafton Street endet die etwas zu ausgiebige Shoppingtour, mit der sich Gemma, eine 35-jährige geschiedene Alleinerzieherin, über die neuerliche Hochzeit ihres Exmannes hinwegtröstet. Wieso dieser Trost notwendig ist versteht sie selbst nicht ganz, hatte sie doch die Scheidung vor einigen Jahren selbst in die Wege geleitet und nie bereut. Aber Orla, Davids neue Frau, ist 11 Jahre jünger als sie, beruflich höchst erfolgreich und mit endlos langen Beinen ausgestattet, das schmerzt doch.Weiterlesen »