Was alles war

Was alles war von Annette MingelsDas Thema Adoption interessiert mich schon seit langem, und daher habe ich, nachdem ich auf Was alles war von Annette Mingels aufmerksam wurde, um ein Rezensionsexemplar des Romans gebeten und möchte mich an dieser Stelle beim Albrecht Knaus Verlag herzlich für die Bereitstellung bedanken.

Susa wurde gleich nach ihrer Geburt von ihrer Mutter zur Adoption freigegeben und gemeinsam mit ihrer ebenfalls adoptierten Schwester Maike von liebevollen Adoptiveltern großgezogen. Jetzt arbeitet sie als Meeresbiologin und hat gerade Henryk kennengelernt, einen verwitweten Universitätsprofessor mit zwei Töchtern, als sich ihre biologische Mutter Viola bei ihr meldet. Susa trifft sich zwar mit Viola, kann mit der selbstverliebten Weltenbummlerin aber wenig anfangen. Ihre Kindheit als Adoptivkind war glücklich und sie hat ein ausgezeichnetes Verhältnis zu ihren Eltern, daher hat sie ihre Herkunftsfamilie nie vermisst, sie freut sich aber, ihre zwei Halbbrüder kennenzulernen, die ebenfalls nicht bei Viola aufgewachsen sind.Weiterlesen »

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Wissenstagebuch bloggt: Brochmann/Støkken Dahl: Viva la Vagina! (2018)

Heute möchte ich Euch auf einen Beitrag hinweisen, in dem Jana von  http://www.wissenstagebuch.com ein interessantes Sachbuch vorgestellt hat, dessen Thema ich sehr wichtig finde. Ich darf mich bei dieser Gelegenheit für die Erlaubnis zum Re-Bloggen herzlich bedanken!

Wissenstagebuch

Titel und Cover sind echte Hingucker im Sachbuchprogramm der ersten Jahreshälfte. Umso erfreuter war ich, als sich das Sachbuch über den weiblichen Unterleib auch beim Lesen als informativ, verständlich und unprätentiös herausstellte.

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Ich, Eleanor Oliphant

IMG_0701Eleanor Oliphant hat sich ihr Leben konsequent nach rationalen Kriterien eingerichtet. Zu Beginn der Geschichte ist die Ich-Erzählerin in Gail Honeymans Debütroman fast 30, arbeitet seit neun Jahren als Debitorenbuchhalterin in einer Grafikdesign-Agentur in Glasgow, wohnt in einer funktionell eingerichteten Sozialwohnung und trägt praktische Kleidung und schwarze Schuhe mit Klettverschlüssen. Sie arbeitet effizient und lebt kostengünstig und vernünftig, nur am Freitag kauft sie eine Pizza Margherita, eine Flasche Chianti und zwei Flaschen Wodka, die sie sehr gleichmäßig über das Wochenende verteilt trinkt, ‚sodass ich nie ganz nüchtern, aber auch nicht betrunken bin. Bis Montag ist es lange hin.‘

Aber Eleanor Oliphant hat auch einen Universitätsabschluss in Altphilologie, Narben im Gesicht und eine Mutter, die sie zwar nie besucht, die aber pünktlich jeden Mittwochabend anruft.  Dann lernt sie innerhalb kurzer Zeit drei Männer kennen: Johnnie Lomond, den Leadsänger einer Band, den sie sofort als Den Richtigen erkennt, Raymond, einen neuen Kollegen, der ihren Bürocomputer von einem Virus befreit, und Sammy, einen alten Mann, dem sie gemeinsam mit Raymond eher zufällig das Leben rettet. Weiterlesen »

Das weiße Feld

IMG_0638Das weiße Feld von Lenka Hornáková-Civade erzählt von vier Frauen: Marie, deren Tochter Magdalena, der Enkelin Libuce und der Urenkelin Eva. Geschildert werden die Ereignisse in drei Teilen, jeweils aus der Perspektive von einer der drei Jüngeren, die eines gemeinsam haben: Sie sind unehelich geboren, und das ist in dem kleinen mährischen Ort, in dem sie leben, ein schwerer Makel. Marie war mit der 1929 in Wien geborenen Magdalena in die Tschechoslowakei zurückgekehrt, nachdem der Arzt, bei dem sie gearbeitet hatte, mit seiner Familie vor den Nazis geflohen war. Sie hatte gewusst, wie sie sich für ihr neues Leben in ihrem Heimatdorf wappnen musste:

Während der Zug uns einem entlegenen Dorf näher brachte, löste meine Mutter ihr kunstvolle, elegante Frisur. Sie fuhr mit den Händen durch ihren blonden Haarschopf, ließ ihre Haare frei auf Schultern und Rücken fallen. Sie warf den Kopf zurück und verharrte einige Augenblicke unbeweglich. Mit geschlossenen Augen. Ich erinnere mich ganz genau. Sie atmete tief. Anschließend griff sie alle ihre Haare mit einer entschlossenen und zielsicheren Bewegung, glättete sie und schlang sie zu einem strengen Knoten. Sie setzte sich das Kopftuch auf, das ich vorher nie an ihr gesehen hatte.

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Das Café in Roscarbury Hall

9783442484874_CoverDie Frauen, von denen die irische Journalistin und Autorin Ann O’Loughlin in Das Café in Roscarbury Hall erzählt, sind für Frauenromane typisch: Ella und Roberta, zwei unversöhnlich zerstrittene Schwestern, die sich in einem heruntergekommenen Herrenhaus gegenseitig das Leben schwer machen, Debbie, eine Krebskranke auf der Suche nach ihrer leiblichen Mutter,  Agnes, eine herrschsüchtige Pedantin mit einem ihr treu ergebenen Ehemann, Mary, ein von einem verheirateten Mann verführtes junges Mädchen,  Muriel, eine neugierige Tratschtante, sowie Schwester Consuelo und Mutter Asumpta, bigotte Nonnen, denen der Ruf ihres Ordens wichtiger ist als alles andere. Dazu ereignen sich ziemlich viele Tragöden, mit anderen Worten, es wird ziemlich dick aufgetragen.  Dass mich der Roman trotzdem vom ersten Kapitel an berührt hat, lässt sich einfach erklären: er ist einfühlsam aber ohne Schnörkel erzählt, und die Schicksale der Frauen im Buch sind keine unrealistischen Seifenopern, sie basieren auf historischen Tatsachen.

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Die Königin schweigt

IMG_0208Fanny ist eine Bauerntochter. Ihr Vater brachte ihr  bei,  dass man schweigt, wenn es nichts Wichtiges zu sagen gibt, und von ihrer Mutter erlernte sie alle für eine Bauerntochter wichtigen Arbeiten. Trotzdem war Fanny anders als die anderen Mädchen im Dorf. Sie war auffallend hübsch und sie besuchte als einzige eine höhere Schule. Daher überraschte es auch niemanden, dass der Lehrer sie zur Frau nahm. Er brachte ihr das Tanzen bei und machte sie zur Schulmeisterin. Sie organisierte eine Schulausspeisung und lernte, schulterfreie Kleider aus feinen Stoffen zu nähen. Gleichzeitig half sie weiterhin jeden Tag ihren Eltern auf dem kleinen Bauernhof.

Jetzt ist Fanny 80 Jahre alt und lebt alleine. Ihre Enkelin möchte, dass sie ihre Erinnerungen aufschreibt, nicht die Märchen aus dem Dorf, sondern was wirklich war, aber das Notizbuch, das sie ihr zu diesem Zweck geschenkt hat, bleibt leer. Fanny erinnert sich dennoch. In kurzen Kapiteln erfahren wir, wie sie mit den Schicksalsschlägen umgeht, die das Leben für sie bereithält: Wie eine Königin, Haltung bewahrend und schweigend.Weiterlesen »

Happy 2018!

Das Jahr 2017 war für mich sehr spannend: Ich habe so richtig mit dem Bloggen losgelegt, dabei viel gelernt und viele interessante Kontakte geknüpft. Zwar habe ich nicht annähernd so viele  Bücher gelesen und besprochen, wie ich mir das vorgenommen hatte, aber was soll’s: Tomorrow is another … year (Copyright Scarlett O’Harra).

Hier mein SUB für den Start ins Neue Jahr:

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Natürlich wird einiges hinzukommen – und natürlich wird einiges liegenbleiben, aber das muss wohl so sein. In jedem Fall wird es wieder ein interessantes Lesejahr, und ich freue mich schon darauf, meine Eindrücke mit euch zu teilen.

A Happy New Year!

Niamh

Alles über Beziehungen

20171222_143841.jpg‚Reiche, weiße Menschen haben auch Probleme‘, so beginnt Doris Knechts Roman Alles über Beziehungen, und da ich weiß, wie die Autorin diese Erste-Welt-Probleme üblicherweise abhandelt,  zog ich das Buch trotz sommerlichem Cover letzte Woche aus meinem SUB, um mir im Vorweihnachtstrubel auf unterhaltsame Weise vor Augen führen zu lassen, was alles eigentlich gar nicht wichtig ist und wo es dann doch an die Substanz geht.

Viktor Kirchners gesamtes Leben war und ist von Frauen dominiert: zwei Schwestern, drei Lebensabschnittspartnerinnen und fünf Töchter. Dazu noch jede Menge Geliebte, aber die haben im ersten Teil des Buches mit der Überschrift Vorher nur die Rolle von Statistinnen und kommen folgerichtig nur als Anmerkungen in Klammern vor. Dann, in dem Moment, als Viktors Lebensgefährtin Magda eine Reiche-weiße-Leute-SMS bekommt, ändert sich das,  und Nachher ist scheinbar alles anders. Weiterlesen »

Perfect Roman Holiday

20171127_123920Roman Holiday ist der englische Titel des Films Ein Herz und eine Krone, in dem eine junge Prinzessin an der Seite eines charmanten Journalisten Rom entdeckt.  Die Bilder von Audrey Hepburn und Gregory Peck, wie sie auf einer Vespa durch enge Gassen und am Kolosseum vorbei flitzen, und jene aus Federico Fellinis La Dolce Vita, wo Anita Eckberg in der Fontana die Trevi ein Bad nimmt, haben bis vor einer Woche meine Vorstellung von der Ewigen Stadt dominiert. Natürlich kenne ich die historischen Eckdaten (7-5-3 – Rom schlüpft aus dem Ei), aber viel mehr wusste ich über mein Reiseziel nicht, als ich zwei Tage vor Abflug in meine Buchhandlung ging, um zumindest einen Reiseführer in der Tasche zu haben. Mein Buchhändler empfahl mir Ein perfektes Wochenende in … Rom (herausgegeben vom Online-Cityguide www.smart-travelling.net), und dieses kleine Büchlein erwies sich als Glücksgriff. Anstelle langer Listen von Sehenswürdigkeiten und detaillierter kunsthistorischer Beschreibungen gibt es Tipps für Restaurants, Cafés und Bars, in denen man hauptsächlich Einheimische antrifft, und 10 Das-muss-man-gesehen-haben-Locations, begleitet von der Empfehlung, die Stadt einfach zu genießen.

 

 

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BuchWien von und für Frauen

20171109_150357Die zur Zeit stattfindende BuchWien präsentiert zahlreiche Autorinnen, die sich auf unterschiedlichste Weise mit der Lebenswelt von Frauen beschäftigen. Neben den bekannten Namen finden sich auch solche, von denen man noch nicht ganz so viel gehört hat.

So beschreibt Laura Freudenthaler in ihrem Roman Die Königin schweigt die Lebensgeschichte der über 80-jährigen Fanny, die zwar das Notizbuch, dass ihr ihre Enkelin geschenkt hat, damit sie darin ihre Erinnerungen festhält, mit leeren Seiten auf dem Nachttisch liegen lässt, von einzelnen Fragmenten diesen Erinnerungen aber nicht losgelassen wird, während sie vereinsamt auf den Besuch ihrer Tochter wartet. Im Gespräch im Literaturcafé der Messehalle sagt die Autorin, ihre Erzählung sei der Versuch, gegen das Schweigen und die Sprachlosigkeit anzukämpfen, die sie auch in ihrer Umgebung kennengelernt habe. Die Sprache, die sie dafür verwendet, klingt so rau wie die Umstände, unter denen Fanny groß geworden ist, und gefragt, ob sie ihren Schreibstil an die jeweils beschriebene Geschichte anpasse, gibt Freudenthaler zwei Antworten: anders sei das Schreiben für sie gar nicht vorstellbar, sagt sie, andererseits könne sie nicht wirklich sagen, wie das vor sich gehe, es passiere eher automatisch.

Theodora Bauer erzählt in Chikago vom Schicksal der jungen Katica, die in den 20er-Jahren gemeinsam mit ihrem Freund Feri nach Amerika auswandert, um der Armut in der Heimat zu entgehen. Anregungen für ihren Roman fand Theodora Bauer in den Lebens- und Familiengeschichten der Bewohner des Ortes Kittsee nahe dem Dreiländereck Österreich–Ungarn–Slowakei. Sie stellt ihr Buch gemeinsam mit der Autorin und Kolumnistin Saskia Jungnikl vor. Deren jüngste Veröffentlichung Eine Reise ins Leben oder wie ich lernte, die Angst vor dem Tod zu überwinden liefert mit dem Titel gleich die Inhaltsangabe.

Präsentiert werden (wie auf dem Bild zu sehen) auch die Gewinnerinnen des heuer zum zweiten Mal vergebenen Österreichischen Buchpreises und des Debütpreises: Eva Menasse, die schon zu den großen Namen auf der Messe gehört, hat den Hauptpreis für den Erzählungsband Tiere für Fortgeschrittene verliehen bekommen. Jeder ihrer Geschichten über Menschen ist eine Erkenntnis über das Verhalten einer Spezies aus dem Tierreich vorangestellt, und im Podiumsgespräch erklärt die Autorin – übrigens eines der freundlichsten Gesichter in der Messehalle – wie hilfreich Analogien aus den Naturwissenschaft beim Ordnen der Gedanken seien. Diesen Ansatz hat sie auch in ihrem 2013 erschienen Roman Quasikristalleverwendet, in dessen 13 Kapiteln eine Person, Xane Molin, immer wieder in unterschiedlichen Rollen und aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen auftaucht.

Der Debütpreis ging an die in Teheran geborene und in Deutschland aufgewachsene Schriftstellerin Nava Ebrahimi. Ihre Zweisprachigkeit habe sich, wie sie berichtet, beim Schreiben als sehr hilfreich erwiesen: Ihre eigene „deutsche“ Humorlosigkeit könne sie kompensieren, indem sie auf den persischen Humor zurückgreife, und auch die bildreiche Sprache des Persischen erweitere das Repertoire für ihre literarische Arbeit. Auch bei den Sechzehn Wörtern, die ihrem Debütroman den Titel geben, handelt es sich  um persische Begriffe, und und Ebrahimi sagt, diese hätten ihr sehr dabei geholfen, ihre Gedanken zu ordnen, nachdem sie die Idee für den Roman schon lange Zeit mit sich herumgetragen habe.

Vier der genannten Bücher warten seit gestern auf meinem SUB, eines werde ich mir morgen noch besorgen, für die Beiträge der nächsten Wochen ist also gesorgt.